"Gram added a whole hunk of country.....his bag is country and we're going to let him do this thing."
(Roger McGuinn in "The Rolling Stone Magazine, 1968)
Im Jahre 1968 gab es in den USA Rock-Musik auf der einen, Country-Musik auf der anderen Seite. Dazwischen war eine Art Niemandsland. In Stein gemeißelt schien die (musikalische) Spaltung der Nation. Während Country als Musik der Arbeiterklasse, der großen Patrioten und des göttlichen Willens betrachtet wurde, war Rock 'n' Roll die Musik einer rebellischen und ungeduldigen Jugend. Zum äußeren Ausdruck gehörten ein gesitteter Haarschnitt hier, eine wilde, lange Mähne da. In dieser Hinsicht war für eine Rockband die Aufnahme eines Albums mit Country-Musik ein konterrevolutionärer Akt, der einem Ende der Karriere gleichkam.....
.....nichtsdestotrotz jedoch eine weitere, mit Bob Dylans Elektrifizierung des Folks beim "Newport Folk Festival" (1965) zu vergleichende, Revolution auslösen sollte, als "The Byrds" nach ihrer Trennung von David Crosby und Michael Clark in einer Neuorientierung die musikalische Demarkationslinie überschritten. Sie engagierten den 22jährigen Cecil Ingram Connor III alias Gram Parsons, der bereits mit "International Submarine Band" unterwegs und mit Keith Richards befreundet war. Eigentlich als Jazzpianist angeheuert, fand der aus Florida stammende und im Georgia aufgewachsene Sänger und Gitarrist im Bassisten Chris Hillman (der als Bluegrass-Musiker auch das Mandolinenspiel beherrschte) eine verwandte Seele. Das Ergebnis ihrer "Kollaboration" wurde das.....
.......zum Teil in Nashville/Tennessee eingespielte sechste Studioalbum der 1964 in Los Angeles gegründeten Gruppe. "You Ain't Goin' Nowhere" (Track 1) und "Nothing Was Delivered" (11) stammen im Original von Bob Dylans unveröffentlichten Basement Tapes. Daneben gibt es Byrds-Versionen von den Country-Klassikern "I Am A Pilgrim" (2), "The Christian Life" (3) und "Blue Canadian Rockies" (9). Daneben gibt es Coverversionen von zeitgenössischen Countrysongs, wie Merle Haggard's "Life in Prison" (10), Luke McDaniels "You're Still On My Mind" (5) und den ursprünglich von Stax Records veröffentlichten "Country-meets-Soul" Hit "You Don't Miss Your Water"(4). Folklegende Woody Guthrie wurde mit einer Neuaufnahme von "Pretty Boy Floyd"(6) Tribut gezollt. Gram Parsons durfte mit seiner Kompositionen "Hickory Wind" (11) -der 1974 von EAGLES-Mitglied Bernie Leadon in seinem "My Man" zitiert werden sollte- und "One Hundred Years From Now"(8), als einziger Eigenkompositionen beisteuern.
Die 1997 CD Re-Issue noch acht Bonus Tracks, bei denen gegenüber den ersten 11 Songs die R'n'R- und Folk-Dosis deutlich erhöht wurde. Zu einer bluesangehauchten Version von Tim Hardin's "You Got A Reputation" (12) gibt es das von Mc Guinn/Hillmann neu arrangierte Folktraditional "Pretty Polly" (14) . Daneben gibt es Rehearsal-Takes von "The Christian Life" (15), "Life In A Prison" (16), You're Still On My Mind (17) und "One Hundred Years From Now" (18), die es dem Zuhörer überlassen, die feinen Unterschiede herauszuhören. Mit seinem "Lazy Days" (13) und seiner an Chuck Berry erinnernden Gitarre macht gibt er einen Vorgeschmack darauf, was er später unter "American Cosmic Music" verstehen wird. Der letzte Track mit dem Instrumental "All I Have Is Memories" (19) bietet ca. 1 Minute nach Verklingen des letzten Tons noch ein originelles Bonbon: Zu einem Zusammenschnitt der Songs des Albums hört man den Dialog einer Frau und eines Mannes, die gar nicht glauben können, dass es sich um "The Byrds" handelt, bis sie von einem Radioansager aufgeklärt werden.
"Sweetheart of The Rodeo" war zwar nicht der erste Country-Rock Longplayer, jedoch die wichtigste und einflussreichste Matrix für das Crossover zwischen Country, Rock, Folk und RnB. Das in seiner zeit und Machart einzigartige Albums fand auch in den Werken der Singer/Songwriter, der LA-Cowboyscene der 1970er, dem Roots-Rock der 1980er und der Explosion des Mainstream-Country in den 1990ern seine Widerhall. Mit ihrem epochalem Album bewiesen "The Byrds" & Gram Parsons, dass Rock & Roll in seinem Kern nichts anderes als Country ist und gute Country Musik stets rockt. Wie die Rockabillies und Rock'n'Roller der 1950er Jahre rissen sie abermals auch gesellschaftliche und ideologische Schranken nieder.
Trotz, oder auch wegen ihres mutigen Schrittes im Jahre 1968 und dem anschließenden Weggang von Parsons und Hillmann, die "The Flying Burrito Brothers" formierten, büßten "The Byrds", die sich bis 1990 in verschiedenen Gruppenzusammensetzungen stets wieder fanden, nichts von ihrem legendären Ruf ein.
Die Höchstpunktzahl für einen Meilenstein der Rock- und Popmusik!
Wem das allerdings noch nicht genug ist, sei die im Jahre 2003 erschienene Doppel-CD "Legacy Edition" mit 39 Tracks empfohlen.