Dieser im Vergleich zu 'Lagaan (2001)'
Lagaan - Es war einmal in Indien und 'Jodhaa Akbar (2008)'
Jodhaa Akbar - Special Edition (3 DVDs) (vom gleichen Regisseur Ashutosh Gowariker) sehr viel realistischere Film ist zwar ähnlich konventionell gemacht, spricht mich aber erstaunlicherweise sehr viel mehr an. Im Vergleich zu dem in Musik und Bildsprache ungleich ambitionierteren 'Asoka (2001)'
Asoka [UK Import] fällt mir eigentlich nur auf, dass mir nichts außergewöhnliches auffällt. Dafür ist das Thema 'Rückkehr in die Heimat' mit einer Warmherzigkeit und Nuanciertheit dargestellt, die mich an die emotionale Dichte von 'Dil Se (1998)'
Dil Se - Von ganzem Herzen (OmU) erinnert. Für mich gehört dieser Film zu den Spitzenfilmen meiner 160 bisher gesehenen indischen Filme.
Shah Rukh Khan spielt den NASA-Projektleiter Mohan Bhargava überzeugend und wie meistens humorvoll. Mohan macht sich auf die Suche nach seiner Kinderfrau, die ihm seelische Heimat bedeutet. Er nimmt seine zivilisatorischen Annehmlichkeiten als Kokon mit sich: komplett ausgestatteter moderner Caravan, Notebook, Handy. Mit Mohan zusammen werden wir durch seinen Besuch bei seine Kinderfrau mit den Gegebenheiten des ländlichen Indien vertraut gemacht: u.a. Kastenwesen, Bildung nur für wenige, mangelnde Infrastruktur, Kinderarbeit, Armut bis hin zum Hunger. Mit Mohan zusammen verlassen wir den Kokon und reisen durch das ländliche Indien. Das alles geschieht ohne erhobenen Zeigefinger und mit viel Verständnis für die Zwänge von Tradition und Kultur. Gleichzeitig wird aber durch den engagierten Mohan auch auf Änderung gedrängt. Etwas unrealistisch gibt es kaum größere Widerstände gegen Mohans Vorschläge oder Auseinandersetzungen über Mohans Ansichten. Das macht diesen Film so liebenswert und für Kinder geeignet.
Ich habe diesen Film zuerst mit Original-Ton und englischen Untertiteln gesehen, später auch auf deutsch. Ich meine, dass dieser Film jedem europäischen Kind gezeigt werden sollte, um ihnen die Variationsbreite menschlicher Kulturen nahe zu bringen. Für mich ist dieser Film ein familiengeeigneter internationaler Klassiker, geeignet für alle Menschen ab ca. 4 Jahre. Die FSK-Freigabe-Plakette ab 12 auf dem Cover ist mir völlig unverständlich, laut FSK ist Swades "Freigegeben ohne Altersbeschränkung" (2005 187 Min., 2006 195 Min.).
Mein kleiner Sohn hat den Original-Film mit meiner Simultan-Übersetzung gesehen und war begeistert. Er wollte dann auch den Soundtrack haben. Eine Lieblingsszene meines Sohnes: der Song 'Yeh Tara Wo Tara', wo ein Stromausfall während einer Open Air Kinovorstellung Mohan dazu bringt, die Kinder des Dorfes über alle Kasten hinweg zu vereinen und mit ihnen zu tanzen, um deutlich zu machen, dass nur alle gemeinsam etwas erreichen können, so wie erst einzelne Sterne zusammen ein Sternbild ergeben und alle zusammen den Himmel funkeln lassen. Eine weitere Lieblingsszene ist das Dorf-Schauspiel zum Lichterfest Diwali 'Sitas Rettung durch Ramas Sieg über den Dämon Ravana' (Ausschnitt aus dem Ramayana). Und zu guter Letzt war mein Sohn begeistert über die Sequenz mit dem Start der Raumfähre.
Die sieben Songs sind unaufdringlich eingebaut (meist ohne Tanz), die vorhandenen Tänze wirken wenig aufgesetzt. Und die obligate Liebesgeschichte (hier mit der Lehrerin Gita) ist dem Tenor des Films (Konflikt Tradition-Moderne und Widerspruch 'indische Heimat'-'westliche Arbeitswelt') sehr gut angepasst und sinnvollerweise zurückhaltend dargestellt (im Vergleich zu anderen Bollywood-Filmen).
Ein sehr sehenswerter und nachdenklich machender Film mit schönen Landschaftsaufnahmen und viel Humor. Seine Faszination liegt vor allem in der differenzierten Behandlung eines schwierigen Themas (Heimat, was ist das und wie viel bedeutet sie uns?) sowie dem Kontrast zwischen moderner westlicher Zivilisation (insbesondere der hochspezialisierten technikbestimmten Welt der Satellitenproduktion) und den schwierigeren aber gleichzeitig viel leichter nachvollziehbaren Lebensbedingungen unterentwickelter Länder.