Ebenso lässig wie der auf dem CD-Cover cool salutierende Comic-Cowboy, agieren die mehr als vielversprechenden Newcomer SUTCLIFFE auf ihrem selbstbetitelten Debüt-Album. Dabei klingt das Quintett aus der fränkischen Metropole Nürnberg alles andere als "typisch deutsch", sondern zaubern dem Hörer einen ungewöhnlichen Sound ins Ohr, bei dem man sehr lang nach musikalischen Vergleichen suchen muss. SUTCLIFFE spielen nämlich staubtrockenen, von akribisch ausgearbeiteten Feindetails wimmelnden Country/Western-Rock. Dabei verliert sich die Band aber zu keiner Zeit in peinlichen Schunkel-Plattitüden á la TRUCK STOP, sondern spricht gleichzeitig Herz und Hirn des Hörers an. SUTCLIFFE liefern auf den 9 Tracks ihres Erstlings wirklich Musik zum Verlieben, der vor allem von seiner authentischen Atmosphäre lebt. Mit geschlossenen Augen unter dem Kopfhörer entwickelt "Sutcliffe" somit seinen einzigartigen Charakter, und schickt den Hörer auf eine beeindruckende Traumreise durch den Wilden Westen.
Vor dem inneren Auge durchkämmt man verödete, von Kakteen gesäumte Landstriche...die Sonne brennt unbarmherzig vom Firmament und spendet dabei so wenig Schatten wie möglich...hoch am Himmel siehst du reihenweise die Geier kreisen...ein Rudel trist-zerzauster Kojoten kreuzt deinen Weg, auf der Suche nach etwas Essbarem...und ehe du dich versiehst, bist du aufgesprungen auf den uralten Güterzug, der langsam-ächzend auf seinem Weg Richtung Horizont der Freiheit entgegenfährt...der kühle Fahrtwind sorgt für eine höchst willkommene Erfrischung...du spürst das Pistolenhalfter fest umschlungen...die letzten Tropfen aus der Whiskey-Flasche kratzen so wunderbar im Hals und machen dabei den Kopf wieder klar...glutheißer Wüstenstaub rieselt aus den Lautsprecherboxen deiner Stereoanlage, als du urplötzlich aufschreckst. War alles doch nur ein Traum ???
SUTCLIFFE sind wahrhaft Könige der Musik-gewordenen Atmosphäre, die man am ehesten mit den Soundtracks bekannter Tarantino-Streifen (wie "Pulp fiction" oder "Desperado") beschreiben kann. Manchmal glaubt man wiederum seichte DIRE STRAITS-Referenzen ausmachen zu können. Und vor allem dann, wenn dem Akkordeon etwas mehr Platz eingeräumt wird, findet man sich in eindeutiger Nachbarschaft zu den deutschen Rock-Poeten ELEMENT OF CRIME wieder. Herrlich formvollendete Klangbilder wie "Lowride" , "Summersun" , "Shaft" , die treibenden "Ming operator" (mit vereinzelten Sprach-Samples angereichert) und "D.sensation", sowie das typisch fränkisch betitelte "Buggarest" funktionieren durch die relaxte Instrumentierung (Steel-Gitarre , Akkordeon , Orgel und Akustik-Gitarre) einwandfrei, und kommen über die gesamte Spielzeit komplett ohne Gesang aus. Hier und da wird mal eben ein lockerer Blues zitiert, beim nächsten Song glaubt der Hörer dafür, minimale Bossanova-Parallelen rauszuhören. Der Schlagzeuger traktiert seine Schießbude mit viel Hingabe und noch mehr Rhythmus-Gefühl, während sich die sehnsüchtigen, staubtrockenen Melodien in Windeseile im Kopf festsetzen. Höhepunkte dieses famosen 45-Minüters sind der geniale Ohrwurm "Roadtrain" , das todtraurige, halb-akustische "The ghost of old Tom Moses" sowie die durch Tropeten aufgepeppte Göttergabe "Estoy cansado". SUTCLIFFE sind eine der heißesten Newcomer des deutschen Underground. Diese Nürnberger Band hat eure Aufmerksamkeit auf jeden Fall verdient.
Übrigens - dass dieses Quintett seine erste 6-Track-EP seinerzeit "Kopfkino" getauft hat, ist eindeutig nachzuvollziehen. 5 Sterne sind Pflicht !!!