Ich sehe durchaus Sinn darin, dass es zu jeder Scheibe auch negative Rezensionen geben muss, sofern sie irgendwie Fuß fassen. Meiner Meinung nach macht es daher keinen Sinn, eine Rezension nur aufgrund einer anderen Auffassung negativ zu beurteilen. Wenn also ein Rezensent die Ansicht vertritt, dass FNM-Fans hier absolut fehl am Platz sind, dann sollte man diese Warnung durchaus ernst nehmen. Wenn zwei Sätze später aber das Wort Anspruch in zynischer Absicht hinsichtlich des Musikgeschmacks verwendet wird, dann empfinde ich das als 'ne ziemlich dreiste Anmaßung. Welchen Anspruch könnte Mike Patton wohl verfolgen, wäre er an einem Duplikat seiner Erfolgsband interessiert? Noch mal für alle - Faith No More ist TOT. Und Patton hat nun schon oft genug bewiesen, dass er nicht vor hat, sie wieder auferstehen zu lassen. Was bringt es also, immer wieder Vergleiche bezüglich seiner Vergangenheit aufzuwühlen. Er hat jedenfalls damit abgeschlossen und lebt die Vielfalt der Musik nun in vollen Zügen aus. Und dazu gehört schon ein gewisses Maß an Mut. Klar hat er mit dem Stilwechsel seinen alten Fans vor dem Kopf getreten. Ich höre mir auch gern die FNM-Scheiben an, bin dennoch um so faszinierter von dem radikalen Umbruch. Mr. Bungle, Tomahawk, Peeping Tom, die Soloplatten, etc. Mit seinem Label Ipecac fördert er junge Bands, die ähnlich wie er in der Lage sind, verqueren Gedankensalat akustisch umzusetzen. Patton hat sich der experimentellen Musik verpflichtet. Nach mittlerweile zehn Jahren sollte das eigentlich auch der Letzte mitbekommen haben (oder müsst ihr zehnmal die heiße Herdplatte berühren, um zu lernen, dass diese den Schmerz verursacht?). Im Bezug auf Fantomas hat er auch diesmal alles richtig gemacht. Man weiß nie, was einem auf der neuen Fantomas-Platte begegnen wird. 'Suspended Animation' ist ein Stück dreister als die Dto.-Platte. Kurze, zum Teil zusammenhängende Lieder, die den Monat April thematisieren. Jeder Song ist einem (kaum bekannten) Feiertag dieses Monats gewidmet. Passend dazu entfiel die Gestaltung des Digipaks auf eine Kalenderform. Musikalisch bricht da so einiges auf den Hörer zusammen. Cartoon-Musik, Samples, Grind und Avantgarde im irrsinnigen Tempo. Melt Banana beim Nintendospielen. Keine leichte Kost und sicher auch keine Tanzmusik. Aber ist es denn die Intension eines Mike Patton, Tanzflächen zu füllen? Erwartet der Fantomas-Hörer, zu dieser Musik Arm und Bein wegzuschmeißen? Ich denke eher nicht. Vielmehr sollte jeder, der die Entwicklung von Fantomas aufmerksam verfolgt, dieses Album in seine Sammlung aufnehmen.
8/10