"Wolke machen jetzt eine Platte", "Wolke sind jetzt auf Tapete", "Hey, guck mal, Oliver Minck von Wolke winkt dahinten bei dem Eis-Café mit einem Blumenstrauß zu uns rüber." Ich gestehe, mich nicht wirklich vor Aufregung bei dergestalten Zurufen gefröstelt zu haben. Wolke, das war doch das Kölner Duo um den Ex-Weltmeister Minck, das vor einiger Zeit mal mit einem netten Vier-Track-Demo glänzte, auf dem aber z. B. die Wahl, "Eisbär" von Grauzone zu covern, nicht wirklich von Brillanz sprach. Umso erstaunter lässt mich dieses Album zurück. Es ist nicht nur viel besser, als ich dachte, nein, es ist richtig gut. Auffällig gleich zu Beginn die Arrangement-Power, die hier aufgefahren wurde. Statt kleine Songs gibt es Uferloses, gibt es Pop à la Spandau Ballet, Roxy Music oder Echt. Ornamente, wohin das Ohr reicht. Jedes Intro, jede Bridge ist geschnitzt, ist pures Kunsthandwerk. Ein Umstand, der mitunter natürlich auch keinen Sommer macht, hier aber schon. Über das Bestaunen des Details findet man sich hoffnungslos eingewoben dann in den Stücken wieder. Hauptinstrumente sind Klavier, Bass und Stimme, und die Grundstimmung ist eine sehr gepflegte Melancholie. Doch die unverblümte Wimptuerei im Wolke-Gestus ist der starke Rahmen, der das Album zusammenhält, ist der schwächliche Arm, den dir die Band zum Geleit reicht. Da gibt es gar nichts zu bemängeln, solches Männchentum finde ich mutig und aufregend. Und wenn im Rock wie im Hühnerstall immer Eier eingefordert werden, ist so eine Platte eben Pop und muss sich aufs Schönste eben kein Bundeswehr'n'Western-Männerbild aus dem letzten Jahrtausend erfüllen. Bleiben noch die Texte. Aber auch hier gibt es keine Klagen. Die Worte sind verkünstelter Pop-Sprech mit Hang zum leicht Depressiven. Aber dennoch keine sinnentleerten Deutsch-Schlager-Gaga-Assoziationsketten, sondern miterlebbar Sehnsuchtsvolles über Kapitäne, das Nichts oder die Stazioni D'Amore. Ich hege nicht weniger als ungemein Respekt für dieses Album. Und möchte es gern empfehlen.