Eher durch Zufall, habe ich "Survival für Lehrer" in die Hand bekommen und eine Art heitere Anekdotensammlung mit Tipps erwartet. Aber es ist viel besser, als das etwas eigenwillige Cover vermuten lässt. Ich habe dieses Buch mit Spannung und wachsendem Interesse bis zur letzten Seite gelesen.
Ohne auch nur eine Minute langweilig zu werden, schildern die Autoren einen knallharten Lehreralltag und bieten Lösungsansätze, die sowohl des Nachdenkens als auch des Nachvollziehens wert sind. Bemerkenswert ist die knappe und eindringliche, aber dennoch humorvolle Sprache. Eine gelungene Reduktion auf's Wesentliche, was sich auch in der angenehm "luftigen" Typografie widerspiegelt.
Nicht nur Lehrer sollten dieses Buch lesen, vor allem denen, die Lehrer werden wollen, kann es eine große Hilfe sein und interessierten Eltern schadet es bestimmt auch nicht.
Weder kann ich in diesem Buche Ansätze des Selbstdarstellerischen noch einen fehlenden Bezug zur Elternverantwortung entdecken. Ich halte diese Vorwürfe für ungerechtfertigt und etwas naiv. Das Buch dreht sich konsequent um ein Thema: Wie schaffe ich es als Lehrer, dass es mir UND meinen Schülern im Unterricht gut geht. Was kann ich als Lehrer tun? Es stellt klar, dass Niederlagen genauso wie Erfolge zum Lehrerdasein gehören, dass es Schüler gibt, denen Förderung nützt und andere, bei denen man versagt, weil der Weg zu ihnen versperrt ist.
Was dieses Buch nicht kann: Aus talentlosen Lehrern gute machen und aus dem bildungspolitischen Horrorkabinett Schule ein Paradiesgärtlein. Aber gute Lehrer unterstützen, das kann es schon und vielleicht die Schulen vor dem einen oder anderen untalentierten Lehramtsinteressenten bewahren, der sich noch rechtzeitig eines Besseren besinnt, bevor er in sein Unglück rennt...
Meine Empfehlung: Lesen! Unbedingt!