Banks ist hier ganz auf der Höhe seiner Kunst und wirft wieder einmal mit wilden Ideen um sich (gut, die Wildheit von "Feersum Endjinn" ist schwer zu übertreffen). Mit dem Leser wird recht rücksichtlos umgesprungen, indem einem zuerst ein paar Kapitel hingeknallt werden, die keinen erkennbaren Zusammenhang haben und äusserst unterschiedliche Schicksale beschreiben: eine Leibeigene auf der Flucht in einer technisch offenbar relativ entwickelten Zivilisation, ein Soldat in einer mittelalterlich bis frühneuzeitlich anmutenden Umgebung, eine Bürgerin der Culture auf einem künstlichen Himmelskörper und zwei fremdartige Personen in... eh... der pavuleanischen Hölle. Jawohl. Ausserdem sterben die Hauptfiguren der beiden ersten Kapitel gleich mal. Natürlich verknüpft der Autor dies alles, nachdem man zuerst mal gründlich verwirrt wird, im weiteren Verlauf des Romans, und es entspinnt sich eine für Banks typische Culture-Gedankenspielerei, die nebenbei interessante philosophische und moralische Fragen berührt. Meines Erachtens wieder besser und runder als sein letzter Culture-Roman "Matter" - der auch gut und interessant zu lesen war, aber gegen das Ende hin überhetzt wirkte. Ziemlich beunruhigend ist Banks' Vision einer virtuellen Hölle, die er in den schauerlichsten Farben ausmalt. Auch das ist ein Weg, den virtuelle Realitäten nehmen können... - Für Leser, die sich mit Banks als SF-Autor vertraut machen möchten, ist "Surface Detail" sicher keine schlechte Wahl. Wenn es nicht unbedingt das "Culture"-Universum sein muss, könnte ich alternativ auch zu "The Algebraist" raten, während das oben genannte "Feersum Endjinn" doch sehr experimentell ist - ganze Kapitel sind in einem lautmalerischen Englisch gehalten, das dem Titel entspricht (in normales Englisch "übersetzt": Fearsome Engine). Unter Banks' Culture-Romanen wären noch "Consider Phlebas" und besonders "The Player of Games", wohl mein Favorit, als gute Einstiegsoptionen zu erwähnen. Aber mit "Surface Detail" macht man sicher auch nichts falsch - jemand, dem dieses Buch überhaupt nicht gefällt, wird wohl auch mit Banks' anderen Werken wenig anfangen können.