Ich liebe das Meer, aber mit Surfen habe ich rein gar nichts am Hut, so dass ich ziemlich mißtrauisch mit dem Buch begonnen habe. Übrigens, mit "Surfen" ist in diesem Buch "Wellenreiten" gemeint und nicht das deutsche Windsurfen!!! Erwartet hatte ich plumpe Surfer-Romantik und lauter braungebrannte Typen, mit Tattoos überzogen, ein Kasten Bier am Lagerfeuer unten am Strand. Zum Glück wurde ich positiv enttäuscht! Daniel Duane erzählt von seinem Jahr an der südkalifornischen Küste liebevoll und poetisch. So ist ein kenntnisreiches Portait der Küste und seiner Bewohner entstanden. Duane spürt den ersten Surf-Liebhabern nach - erstaunliche Namen wie Captain Cook, Mark Twain, Jack London tauchen in diesem Zusammenhang auf. Der Autor schildert äußerst kenntnisreich und witzig Landschaft, Wasser und den tierischen Bewohnern. Besonderes Augenmerk legt er auf einen Otter, der seelenruhig auf dem Rücken schwimmt und ihn bei der Suche nach der Welle begleitet. Einerseits ist "Surf" eine wunderbare Abhandlung über eine Leidenschaft, die zum Lebensinhalt wird, und so durchaus vergleichbar mit Nick Hornbys Fußball-Bibel Feverpitch. Aber wenn Duane zum Geschichtenerzähler wird, erinnern mich die skurillen Episoden über Kalifornien an eine Strand-Variante von Amistad Maupins Stadtgeschichten. Eine tolle Geschichte, für Surf-Fans ohnehin, aber auch alle anderen, die ein faszinierendes, poetisches, witziges und schlaues Buch genießen wollen.