Auf dieser CD mit Kompositionen des Franzosen Pierre Boulez befinden sich einige seiner wichtigsten seriellen Kompositionen. Ob es sich dabei noch um Musik handelt oder nur noch um eine strenge Aneinanderreihung von Geräuschen, soll jeder selbst entscheiden. Festzuhalten bleibt aber, dass die vorliegenden Stücke eine spannende, abgefahrene Repertoireerweiterung darstellen.
Das Stück "Sur Incises" für drei Klaviere, drei Harfen und drei Schlagwerkapparate beschäftigt sich intensiv mit der klavierischen Klangwirkung. Neben den Klavierklängen trachtete Boulez danach, offen zu legen, was im Klavier vor sich geht. Die Harfen stehen quasi für die geschlagenen Saiten im Klavier, das Schlagwerk für das Möbelstück Klavier. Analytisch bis ins kleinste Detail spaltet Boulez die einzelnen Klänge auf, setzt dabei auf Experimentalismus und Kontrapunkt. Der erste Teil ist dabei weitaus ruhiger und getragener als der zweite. Der ausgeschöpfte Klangraum und die Neuartigkeit der Hörerfahrung zeigen sich als äußerst interessant.
Die "Messagesquisse" für Solocello und sechs Tutticelli setzt sich ebenso mit der Entwicklung eines Momentums auseinander. Ein Elementarklang wird durch die sechs Celli analysiert, verarbeitet und weiter entwickelt. Das viersätzige Stück ist schwer zu durchdringen, berauscht jedoch durch den warmen Klang der Celli.
In seinem Werk "Anthèmes" für Solovioline und Elektronik entrüstet der Komponist die Idee von der Klangaufspaltung bis aufs Mark. Die Töne der Solovioline werden durch das unter Zusammenarbeit mit Boulez selbst entwickelte dispositif électronique (IRCAM) aufgespaltet, zerlegt und wieder zusammen gewoben. Es handelt sich hierbei um den letzten Schluss des Serialismus, der sich dem unlösbaren Problem gegenüber sah, dass das menschliche Gehirn nicht dazu in der Lage ist, das scheinbare Chaos solcher Musik zu verarbeiten. Dieses Stück ist wirklich beinahe Science Fiction, der Violinklang wirkt entrückend.
Das Ensemble InterContemporain unter der Leitung des Komponisten höchstpersönlich bringt diese Werke analytisch und glasklar zu Gehör. Die Aufnahmequalität ist makellos.
Fazit: Eine hochinteressante, lohnende Repertroieerweiterung, auch wenn man - wie ich - kein Freund serieller Musik ist.