Mein erste Eindruck war sehr positiv. Die hochwertigen Fotografien sind sehr ansprechend, das Layout freundlich und übersichtlich, die Rezeptideen beim ersten Durchlesen nicht gerade revolutionär, aber stilvoll und modern - kein Schnickschnack, sondern schlichte, bodenständige Eleganz. Das trifft eigentlich genau meinen Geschmack.
Beim genaueren Lesen und Nachkochen offenbarten sich dann unter der hübschen Verpackung doch leider einige redaktionelle und inhaltliche Schwächen. Ich will nur einige Beispiele nennen:
Viele Rezepte enthalten die Zutat "Bouquet garni" - ein Kräutersträußchen aus Thymianzweigen und einem Lorbeerblatt (bei "deutschen" Rezepten wäre wohl noch Petersilie dabei). In einigen Rezepten wird die Erklärung in einem Klammerzusatz in der Zutatenliste erläutert, in anderen Rezepten wird ohne Erklärung oder Verweis nur ein "Bouquet garni" verlangt, sodass man erst einmal querbeet verzweifelt blättern muss, um herauszufinden, was dies bedeuten könnte. Auch der Tipp, das Sträußchen am Griff festzuknoten, wiederholt sich wahllos in mehreren Rezepten. Im Glossar im Anhang sucht man wiederum vergeblich, was es mit dem Bouquet garni auf sich hat. Hier hätte ich mir eine systematischere Darstellung gewünscht - eine Erklärung mit Tipp, ansonsten Verweise.
Weiteres Beispiel sind langatmige Wiederholungen. ZB wird einmal das schlichte Rezept "Tomatencremesuppe" vorgestellt, ein paar Seiten weiter folgen eine "Tomatencremesuppe mit Speck" sowie eine "Tomatencremesuppe mit Mozzarella". Statt auf das Grundrezept Bezug zu nehmen, wird das Grundrezept jedesmal in ähnlichen Worten wiederholt. Auch hier hätte ich mir eine systematischere Darstellung gewünscht.
Richtig albern finde ich, dass sehr simple Variationen als ganze Rezepte dargestellt werden, zB Tomatencremesuppe wird vor dem Servieren bestreut mit Koriandergrün, Basilikum, Ingwer oder Currypulver - im Inhaltsverzeichnis sind dies vier verschiedene Suppen! Normalerweise würde es doch ausreichen, unter dem Rezept den Tipp "Passt auch mit..." zu platzieren. Nach der Zählung kann man natürlich leicht auf 100 Suppen kommen, wie es der Titel verspricht...
Dann findet man auf einer Seite die "Geflügelbouillon mit Schalotten", das Grundrezept "Geflügelbouillon", auf das hier Bezug genommen wird, aber erst zwei Seiten später.
Dann diese wahllos zugefügten Beilagen - zB ein Rezept für einen Schokoladenkuchen oder einen Bloody Mary hätte ich wohl am allerwenigsten erwartet, und es erschließt sich mir auch bei langem Grübeln nicht, wieso das zwischen diese Buchdeckel verirren konnte.
Des weiteren stimmten die Fotos zT nicht mit den Beschreibungen überein, zB enthält das Foto zur Gemüsebouillon mehr Zutaten als die Liste.
Und und und...
Ich frage mich, wen das Buch letztlich ansprechen soll. Als Basiskochbuch ist es mir zu wenig systematisch, und nicht einmal die einfachsten Grundregeln des Suppekochens werden erklärt. Als bodenständige, umfängliche Rezeptesammlung ist es mir viel zu dünn - es fehlen so simple Sachen wie eine Kartoffelsuppe, und wenn man die vielen zT lächerlich marginalen Abwandlungen und die Rezepte, die eigentlich nichts in diesem Buch zu suchen haben, nicht mitzählt, kann man die Rezepte locker an zwei Händen abzählen - das ist für den Preis viel zu wenig. Als Zusammenstellung ausgewählter besonders pfiffiger Ideen nach der persönlichen Handschrift der Autorin geht mir die Sammlung auch nicht durch - dafür sind die Rezepte einfach zu simpel und zu wenig anspruchsvoll.
So ein optisch schönes Buch - ich finde es immer wieder schade, wenn die Verlage (Autoren, Redakteure, Lektoren...???) viel Wert auf ein ansprechendes Äußeres legen, dann aber so wenig Sorgfalt bei den Inhalten an den Tag legen.