Aus der Amazon.de-Redaktion
Na, denkt man, ich muß das ja nicht essen, ich ernähre mich natürlich und gesund: von wegen. Künstliche Aromen und Süßstoffe sind allgegenwärtig. Besonders ist Vorsicht überall geboten, wo in Deutschland "Natur" draufsteht: Die Ausscheidungen eines Bakteriums sind schließlich auch "Natur", sagt der Gesetzgeber, und zwinkert der Industrie zu. Der deutsche Gesetzgeber. Die USA sind da weniger industriefreundlich. Das kann doch nicht gesund sein, denkt man und hat ausnahmsweise mal recht. Gesund ist das nicht. Es macht zum Beispiel Allergien. Und es macht Krebs. Und -- das dürfte am meisten schocken: Es macht dick! Hans-Ulrich Grimm geht es nicht um Sensationen, sondern um Aufklärung. Er zeigt, worauf man achten, was man vermeiden sollte, was hinter "harmlosen" Wörtern im Kleingedruckten steckt. --Michael Winteroll
Kurzbeschreibung
Das Huhn und die nach ihm benannte Suppe haben sich meist nie gesehen. Ob Kuchen oder Hummerfond, ob Babynahrung, Rinderbraten oder Brot, man ißt nichts, wie es ist, die Chemie würzt mit, und die Risiken der Mixtur kennt niemand. Aroma-Fabriken haben allein in Deutschland über 7000 Geschmacksrichtungen im Angebot, in ihren Wirkungen zumeist unerforscht. Naturwaren sind zu mickrig geworden für den Supermarkt, und darüber hinaus, was ein 'natürliches Aroma' ist, rätseln heute Verbraucher-Anwälte vergebens. Wir sind unterwegs zur vollsynthetischen Ernährung. Ein sorgfältig recherchierter Report mit vielen unveröffentlichten Insider-Informationen.
Klappentext
Dies ist der bis in unsere Tage fortgeschriebene, fast schon legendäre Report über die Nahrungsmittelindustrie, eine Milliardenbranche. Ob beim Brot, beim Würstchen oder bei der Babynahrung: Längst sind unsere Sinne manipuliert und neu konditioniert auf dem Weg zur vollsynthetischen Ernährung. Der Skandal hält an, und die Risiken kennt niemand.
Hans-Ulrich Grimm bringt in dieser aktuali sierten Ausgabe viele neue Verbraucherdaten, fast unglaubliche Täuschungsmanöver der Nahrungsmittel industrie, die zunehmend global agiert. Alle wichtigen Informationen über einen der wichtigsten gesellschaftlichen Bereiche, die sonst nur wenige Insider kennen, sind hier nachzulesen, sorgfältig recherchiert.
Ein Buch zum Verschenken und zur Information vor dem nächsten Wochenendeinkauf »bevor Brave New Food uns alle über den Tisch gezogen hat« (Lift).
»Sorgfältig recherchiert, eine beeindruckende Fülle von Beispielen liest sich wie ein Abenteuerroman.« (Stuttgarter Zeitung)
Ebenfalls bei Klett-Cotta erschienen: - Aus Teufels Topf - Die neuen Risiken beim Essen -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Auszug aus Die Suppe lügt von Hans-Ulrich Grimm. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Andererseits sind die Leute doch auch in ihrer Urteilsfähigkeit etwas eingeschränkt, weil sie über ihre Eßwaren sehr im Unklaren gehalten werden. Weil sie, beispielsweise, beim wesentlichen Qualitätskriterium, dem Geschmack, mit allen technischen Tricks hinters Licht geführt werden.
Der »Putsch der Nahrungsmittelgiganten« und die damit aufgerichtete »Geschmacksdiktatur«, gegen die Wolfram Siebeck wettert, Deutschlands Magenhüter Nummer eins, war vielleicht eher eine schleichende Machtergreifung unter tatkräftiger Beteiligung der Volksvertreter, die all die Möglichkeiten schufen, auf völlig legale Weise Phantasieerzeugnisse unters Volk zu bringen, die ihren Geschmack nicht den natürlichen Zutaten verdanken, sondern der Chemie. Den Erdbeerjoghurt mit dem Aroma aus Sägespänen, die Bouillon von Aroma und Geschmacksverstärker, die ganze Welt der Geschmacks-Illusionen, in der das Echte nichts mehr gilt, weil es kaum noch jemand kennt.
Zu Beginn war sie ja gut, die Emanzipation von der Natur. Julius Maggi und sein Kollege Carl Knorr hatten unübersehbare Verdienste um die Volksernährung erworben: Sie lieferten den darbenden Massen, den Malochern und verzweifelten Müttern preiswerte, schnell zuzubereitende Nährstoffe. Ein Beitrag von unschätzbarem Wert zur Verbesserung des mühsamen Daseins der Werktätigen.
Heute liefern sie vornehmlich: überflüssigen Luxus. Denn einen Vierzehn-Stunden-Tag, der keine Zeit für Küchenfreuden läßt, kennen heute nur noch die Führungskräfte in Politik und Wirtschaft. Die meisten anderen aber leben in der 35-Stunden-Woche. In der Freizeitgesellschaft mit flächendeckender Kühlschrankversorgung gibt es eigentlich keinen Bedarf für Tütenware und Dosenkost. Zumal diese noch erheblich teurer ist als selbstgekochte Genüsse.
Selbst der Discount-König Aldi ist, gemessen an Selbstgekochtem, luxuriös teuer. Zum Beispiel bei Spaghetti Bolognese: Aldi-Spaghetti und »Fix für Spaghetti Bolognese« der Aldi-Marke »Lachende Köchin« kostet mit Aldi-Material exakt 68 Cent. Billiger ist es selbstgemacht nach italienischen Rezepten: 50 Cent (Hackfleisch kommt jeweils noch dazu.) Drei Portionen Kartoffelpüree kosten aus dem Beutel, inklusive extra zu kaufender Milch, 64 Cent selbstgemacht 43 Cent. Und auch die Knorr-Hühnersuppe aus der Tüte für 69 Cent ist eigentlich totaler Luxus. Denn selbst die Mixtur aus ein paar Gramm Huhn und den bekannten Geschmacks-Illusionisten kann durch Hausgemachtes preislich unterboten werden. Man nehme ein halbes Suppenhuhn, mit 5 Euro schön teuer, und Suppengrün für 80 Cent. Das ergibt nicht nur Suppe, sondern hernach noch ein prima Frikassee. Macht zusammen, inklusive Sahne, Gemüse, Reis fürs Frikassee, 2,50 Euro auf Fabrikportionen umgerechnet. Mit einem Quäl-Gockel aus dem !
Supermarkt wäre es noch glatt die Hälfte billiger. Aber so etwas kaufen wir ja nicht. Die Suppe von Knorr hingegen plus Hühnerfrikassee mit Reis und Gemüse von Erasco kostet mehr! 2,69 Euro. Die Industriekost ist also in Wahrheit alles andere als billig. Echtes Essen, hausgemacht, ist eigentlich am günstigsten. Und am gesündesten. Da sind sich die Experten einig. Bio-Kost ist noch besser, vor allem im Geschmack, aber das wäre dann doch ein wenig teurer, zu teuer, wie viele finden.
Bei der Preisfrage sind mittlerweile die Maßstäbe ein bißchen durcheinandergeraten. Seit die Supermärkte und die Discountketten das Essen zu Ramschpreisen unters Volk bringen, ist ganz langsam, schleichend, das Bewußtsein für den Wert der Lebensmittel verlorengegangen. Niemand stört sich daran, 15 Euro auszugeben für einen Liter Motorenöl. Es geht schließlich ums Auto, und da wollen wir nicht mit irgendwelchen Billigölen experimentieren. Das Salatöl aber soll höchstens 1,99 Euro kosten.
Oder das Huhn. Ein gutes Huhn kostet 15 Euro, ein Bresse-Huhn, das französische Edelfedervieh, kostet leicht 30 Euro. Ein normales Tiefkühlhähnchen aber, das die Leute aus dem Supermarkt kennen, kostet 1,60 Euro. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung kam über solche Tiefstpreise ins Sinnieren. Preisfrage: Ist alles, was billig ist, auch recht? »Unfaßbar«, staunte das Magazin: »Eine Stunde im Parkhaus ist teurer«. Und wandte sich dem armen Huhn näher zu, fragte sich, wie dies Huhn sich denn vorkommen müsse: »War sein Leben gar nichts wert?« Und es ist ja nicht nur das Huhn: Ein Ei kostet zehn Cent, der Liter Milch 50 Cent, der Schweinebraten sechs Euro.
So richtig gut geht es wohl all den Tieren nicht, die so eine Billigst-Existenz führen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.