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Die Suppe lügt. Die schöne neue Welt des Essens
 
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Die Suppe lügt. Die schöne neue Welt des Essens [Taschenbuch]

Hans-Ulrich Grimm
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (56 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Da dro'm auf dem Berge, da steht ein Karton/da machen die Zwerge aus Scheiße Bonbon", sangen wir Kinder, wenn die Erziehungsberechtigten gerade mal nicht zuhörten, das klang so schön eklig und verboten. Was wir nicht wußten: Es war gar nicht verboten, der Karton eine Fabrik und der Zwerg ein Wissenschaftler, Mitsuyuki Ikeda mit Namen. Der hat Klärschlamm (ausdrücklich: inkl. Klopapier!) gekocht und zu Granulat vermalen, mit Proteinen angereichert und... Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, wissen Sie: Man kann alles aus allem machen, Wurst aus Fisch und umgedreht Fisch aus Fleisch. Und: Man tut es auch. Weltweit. In riesigen Mengen. Tagtäglich.

Na, denkt man, ich muß das ja nicht essen, ich ernähre mich natürlich und gesund: von wegen. Künstliche Aromen und Süßstoffe sind allgegenwärtig. Besonders ist Vorsicht überall geboten, wo in Deutschland "Natur" draufsteht: Die Ausscheidungen eines Bakteriums sind schließlich auch "Natur", sagt der Gesetzgeber, und zwinkert der Industrie zu. Der deutsche Gesetzgeber. Die USA sind da weniger industriefreundlich. Das kann doch nicht gesund sein, denkt man und hat ausnahmsweise mal recht. Gesund ist das nicht. Es macht zum Beispiel Allergien. Und es macht Krebs. Und -- das dürfte am meisten schocken: Es macht dick! Hans-Ulrich Grimm geht es nicht um Sensationen, sondern um Aufklärung. Er zeigt, worauf man achten, was man vermeiden sollte, was hinter "harmlosen" Wörtern im Kleingedruckten steckt. --Michael Winteroll

Kurzbeschreibung

Ohne, daß wir es so recht gemerkt haben, hat sich in den letzten Jahren eine Weltmacht etabliert, die unsere Sinne längst manipuliert. Geschmacks-Design heißt der diskrete Vorgang - eine ganze Industrie betreibt die Sinnestäuschung aus der Tüte.
Das Huhn und die nach ihm benannte Suppe haben sich meist nie gesehen. Ob Kuchen oder Hummerfond, ob Babynahrung, Rinderbraten oder Brot, man ißt nichts, wie es ist, die Chemie würzt mit, und die Risiken der Mixtur kennt niemand. Aroma-Fabriken haben allein in Deutschland über 7000 Geschmacksrichtungen im Angebot, in ihren Wirkungen zumeist unerforscht. Naturwaren sind zu mickrig geworden für den Supermarkt, und darüber hinaus, was ein 'natürliches Aroma' ist, rätseln heute Verbraucher-Anwälte vergebens. Wir sind unterwegs zur vollsynthetischen Ernährung. Ein sorgfältig recherchierter Report mit vielen unveröffentlichten Insider-Informationen.

Klappentext

Wußten Sie, was die Hummersuppe der Edelfirma Lacroix, der Tee des britischen Konzerns Lipton und die »Cup-Nudeln mit Shrimps« von Nissin / Japan gemeinsam haben? Einen kräftigen Schuß Chemie plus Zusatzstoffe – denn ohne Food-Design läuft auf Deutschlands Tischen und Tellern so ziemlich nichts mehr.

Dies ist der bis in unsere Tage fortgeschriebene, fast schon legendäre Report über die Nahrungsmittelindustrie, eine Milliardenbranche. Ob beim Brot, beim Würstchen oder bei der Babynahrung: Längst sind unsere Sinne manipuliert und neu konditioniert – auf dem Weg zur vollsynthetischen Ernährung. Der Skandal hält an, und die Risiken kennt niemand.

Hans-Ulrich Grimm bringt in dieser aktuali sierten Ausgabe viele neue Verbraucherdaten, fast unglaubliche Täuschungsmanöver der Nahrungsmittel industrie, die zunehmend global agiert. Alle wichtigen Informationen über einen der wichtigsten gesellschaftlichen Bereiche, die sonst nur wenige Insider kennen, sind hier nachzulesen, sorgfältig recherchiert.

Ein Buch zum Verschenken und zur Information vor dem nächsten Wochenendeinkauf – »bevor Brave New Food uns alle über den Tisch gezogen hat« (Lift).

»Sorgfältig recherchiert, eine beeindruckende Fülle von Beispielen – liest sich wie ein Abenteuerroman.« (Stuttgarter Zeitung)

Ebenfalls bei Klett-Cotta erschienen: - Aus Teufels Topf - Die neuen Risiken beim Essen -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Hans-Ulrich Grimm, geboren im Allgäu, lebt in Stuttgart. Er war von 1989 bis 1996 Korrespondent des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, ist seither freier Autor (u.a. für Stern, Geo, Neue Zürcher Zeitung und Zürcher Tagesanzeiger). Sein wichtigstes Werk 'Die Suppe lügt', in viele Sprachen übersetzt, gilt als Klassiker der modernen Nahrungkritik.

Auszug aus Die Suppe lügt von Hans-Ulrich Grimm. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Über 80 Prozent der Verbraucher haben kein uneingeschränktes Vertrauen mehr in die Nahrungsmittel, so ergab eine Umfrage der Bundesforschungsanstalt für Ernährung. Jeder vierte der Befragten konnte kein einziges Lebensmittel nennen, das unter Gesundheitsgesichtspunkten als unbedenklich erscheine. Ein dramatisch schlechtes Zeugnis für die Branche, die den Menschen Lebensnotwendiges liefert: die Nahrung, das tägliche Brot. Und ein schlechtes Zeugnis für die Politiker, die sich selbst und willentlich aus der Verantwortung für die Kontrolle der Lebensmittel verabschiedet haben und sie an Gremien wie die beim Codex Alimentarius übertrugen, die irgendwo auf der Welt zwischen Manila und Toronto unter Ausschluß der Öffentlichkeit ihre Entscheidungen treffen. Vielleicht sind die Leute aber auch ein bißchen selbst schuld, wenn sie bei jedem Lebensmittelskandal hysterisch aufschreien, sich vor Agrarfabriken fürchten – und dann aber bald wieder bei jenen Billigsthändlern einkaufen, die ihre Ware zum Schleuderpreis selbstverständlich aus den Agrarfabriken beziehen. Nach dem BSE-Skandal beispielsweise gingen die Leute bald wieder in Scharen vorzugsweise zum Billigst-Laden Lidl – obwohl der doch einer der ersten war, bei dem es BSE-verdächtige Fleischwaren gegeben hatte, die zudem noch auf krummen Wegen aus dem BSE-Heimatland Großbritannien gekommen waren.
Andererseits sind die Leute doch auch in ihrer Urteilsfähigkeit etwas eingeschränkt, weil sie über ihre Eßwaren sehr im Unklaren gehalten werden. Weil sie, beispielsweise, beim wesentlichen Qualitätskriterium, dem Geschmack, mit allen technischen Tricks hinters Licht geführt werden.

Der »Putsch der Nahrungsmittelgiganten« und die damit aufgerichtete »Geschmacksdiktatur«, gegen die Wolfram Siebeck wettert, Deutschlands Magenhüter Nummer eins, war vielleicht eher eine schleichende Machtergreifung unter tatkräftiger Beteiligung der Volksvertreter, die all die Möglichkeiten schufen, auf völlig legale Weise Phantasieerzeugnisse unters Volk zu bringen, die ihren Geschmack nicht den natürlichen Zutaten verdanken, sondern der Chemie. Den Erdbeerjoghurt mit dem Aroma aus Sägespänen, die Bouillon von Aroma und Geschmacksverstärker, die ganze Welt der Geschmacks-Illusionen, in der das Echte nichts mehr gilt, weil es kaum noch jemand kennt.
Zu Beginn war sie ja gut, die Emanzipation von der Natur. Julius Maggi und sein Kollege Carl Knorr hatten unübersehbare Verdienste um die Volksernährung erworben: Sie lieferten den darbenden Massen, den Malochern und verzweifelten Müttern preiswerte, schnell zuzubereitende Nährstoffe. Ein Beitrag von unschätzbarem Wert zur Verbesserung des mühsamen Daseins der Werktätigen.

Heute liefern sie vornehmlich: überflüssigen Luxus. Denn einen Vierzehn-Stunden-Tag, der keine Zeit für Küchenfreuden läßt, kennen heute nur noch die Führungskräfte in Politik und Wirtschaft. Die meisten anderen aber leben in der 35-Stunden-Woche. In der Freizeitgesellschaft mit flächendeckender Kühlschrankversorgung gibt es eigentlich keinen Bedarf für Tütenware und Dosenkost. Zumal diese noch erheblich teurer ist als selbstgekochte Genüsse.

Selbst der Discount-König Aldi ist, gemessen an Selbstgekochtem, luxuriös teuer. Zum Beispiel bei Spaghetti Bolognese: Aldi-Spaghetti und »Fix für Spaghetti Bolognese« der Aldi-Marke »Lachende Köchin« kostet mit Aldi-Material exakt 68 Cent. Billiger ist es selbstgemacht nach italienischen Rezepten: 50 Cent (Hackfleisch kommt jeweils noch dazu.) Drei Portionen Kartoffelpüree kosten aus dem Beutel, inklusive extra zu kaufender Milch, 64 Cent – selbstgemacht 43 Cent. Und auch die Knorr-Hühnersuppe aus der Tüte für 69 Cent ist eigentlich totaler Luxus. Denn selbst die Mixtur aus ein paar Gramm Huhn und den bekannten Geschmacks-Illusionisten kann durch Hausgemachtes preislich unterboten werden. Man nehme ein halbes Suppenhuhn, mit 5 Euro schön teuer, und Suppengrün für 80 Cent. Das ergibt nicht nur Suppe, sondern hernach noch ein prima Frikassee. Macht zusammen, inklusive Sahne, Gemüse, Reis fürs Frikassee, 2,50 Euro auf Fabrikportionen umgerechnet. Mit einem Quäl-Gockel aus dem !
Supermarkt wäre es noch glatt die Hälfte billiger. Aber so etwas kaufen wir ja nicht. Die Suppe von Knorr hingegen plus Hühnerfrikassee mit Reis und Gemüse von Erasco kostet mehr! 2,69 Euro. Die Industriekost ist also in Wahrheit alles andere als billig. Echtes Essen, hausgemacht, ist eigentlich am günstigsten. Und am gesündesten. Da sind sich die Experten einig. Bio-Kost ist noch besser, vor allem im Geschmack, aber das wäre dann doch ein wenig teurer, zu teuer, wie viele finden.

Bei der Preisfrage sind mittlerweile die Maßstäbe ein bißchen durcheinandergeraten. Seit die Supermärkte und die Discountketten das Essen zu Ramschpreisen unters Volk bringen, ist ganz langsam, schleichend, das Bewußtsein für den Wert der Lebensmittel verlorengegangen. Niemand stört sich daran, 15 Euro auszugeben für einen Liter Motorenöl. Es geht schließlich ums Auto, und da wollen wir nicht mit irgendwelchen Billigölen experimentieren. Das Salatöl aber soll höchstens 1,99 Euro kosten.

Oder das Huhn. Ein gutes Huhn kostet 15 Euro, ein Bresse-Huhn, das französische Edelfedervieh, kostet leicht 30 Euro. Ein normales Tiefkühlhähnchen aber, das die Leute aus dem Supermarkt kennen, kostet 1,60 Euro. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung kam über solche Tiefstpreise ins Sinnieren. Preisfrage: Ist alles, was billig ist, auch recht? »Unfaßbar«, staunte das Magazin: »Eine Stunde im Parkhaus ist teurer«. Und wandte sich dem armen Huhn näher zu, fragte sich, wie dies Huhn sich denn vorkommen müsse: »War sein Leben gar nichts wert?« Und es ist ja nicht nur das Huhn: Ein Ei kostet zehn Cent, der Liter Milch 50 Cent, der Schweinebraten sechs Euro.

So richtig gut geht es wohl all den Tieren nicht, die so eine Billigst-Existenz führen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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