Es ist schön, wenn der Erfolg manchmal doch die trifft, die ihn sich hart erarbeitet und den Weg des natürlichen Wachstums gewählt haben. Bei Soundgardens Meisterstück und - "Black Hole Sun" sei Dank - Durchbruch zum MTV-Mainstream war genau dies der Fall, nachdem die Band in ihren frühen SubPop-Tagen ein entscheidendes Stück dazu beigetragen hatte, das zu definieren, was später als Grunge mediale Furore machen sollte. Nachdem Soundgarden mit dem 92er Vorgänger "Badmotorfinger" eine der überzeugendsten und variantenreichsten Definitionen von harter, schwerer Rockmusik (man kann auch Heavy Metal dazu sagen) der Neunziger vorgelegt hatten, erschloss sich die Band nun das weite Terrain von Psychedelic, Garagenrock (inspiriert durch das exzellente Hater-Projekt des Bassisten Ben Shepherd), experimentellen und akustischen Sounds. Dabei entstand ein Album, das durch seine schier unfassbare stilistische Bandbreite, die exzellenten songschreiberischen und technischen Fähigkeiten der vier Musiker und durch die Produktion von Michael Beinhorn, der den Songs ein Soundgewand für die Ewigkeit verpasste, sämtliche Vergleiche weit von sich weist und auch heute noch eine einsame Spitzenstellung in der Musik der Neunzigerjahre (und danach) einnimmt. Einzelne Songs hervorzuheben, ist bei dieser Platte schwierig, da sie ebenso für sich wie auch im Kontext des Albums überzeugen, aber neben den Aushängeschildern "Black Hole Sun" und "Spoonman" können das komplexe "My Wave", die vertonte Depression "Fell On Black Days", das zynische "The Day I Tried to Live" und das monumentale "Limo Wreck" ebenfalls glänzen.
Fazit: Wer sich in irgendeiner Form mit Rockmusik beschäftigt, kommt an diesem Album nicht vorbei. Klingt platt, ist aber so. Und wer, wie ich, "Black Hole Sun" einmal zu oft gehört zu haben glaubt, findet hier fünfzehn Stücke, die die gleiche Qualität wie der Single-Hit aufweisen und nicht ausgenudelt sind.