Zwei übergewichtige Amerikanerinnen verklagen die Fast Food Industrie auf Schadenersatz, weil deren Produkte sie krank gemacht haben. Einige Jahre früher wurde bereits erfolgreich die Tabakindustrie für ihre eindeutig gesundheitsschädlichen Produkte juristisch belangt. Das Rauchen tötet ist inzwischen allgemein anerkannt, aber Fast Food? Rauchen macht süchtig, Zigaretten sind eine Droge und die Konzerne haben gezielt Werbung für Kinder (z.B. das lustige Zeichentrickkamel Joe Camel) zugeschnitten, denn der heranwachsende Körper ist leichter abhängig zu machen, als der eines Erwachsenen. Wer bis zum 18. Lebensjahr nicht süchtig nach Zigaretten ist, der wird es höchstwahrscheinlich auch nicht mehr.
Morgan Spurlock, ein bis zu „Super size me“ unbekannter Filmemacher mit klammen Finanzen, sagt im umfangreichen Zusatzmaterial der DVD, daß er es nicht nachvollziehen kann, weshalb die beiden Frauen die Fast Food Firmen verklagen, schließlich habe sie niemand gezwungen dort über Jahre zu essen. Allerdings inspirierte ihn der Prozeß, der im übrigen erfolglos ausging, zu einem Experiment, das er auf Zelluloid gebannt hat: er will sich 30 Tage ausschließlich von Mc Donald’s Produkten ernähren, um zu beweisen, daß eine solche Ernährung gesundheitsschädlich ist.
Im Gegensatz zum bislang bekannteren Doku-Filmer Michael Moore ist Spurlocks Film ungleich objektiver und nervt nicht. Moores „Bowling for Columbine“ war ein guter Film, aber ab „Stupid white men“ und „Fahrenheit 9/11“ wurde es doch zu albern, unsachlich und einseitig.
Spurlock weist darauf hin, daß er Mc Donald’s als Symbol der Fast Food Industrie versteht. Er hätte auch einen Film über Wendys, Burger King oder KFC drehen können, entschied sich aber für den Marktführer, der 40 Prozent der USA mit schnellem, billigen Essen versorgt und weltweit agiert.
„Super size me“ läßt alle Beteiligten zu Wort kommen, die zufriedenen Kunden, Ärzte und die Unternehmen. Mc Donald’s selbst wollte sich allerdings nicht vor der Kamera äußern. Morgan Spurlock ißt selbst gerne Fleisch und zeigt die Vorzüge von Mc Donald’s auf: preiswertes Essen das gut schmeckt, wenn man es einmal im Monat ißt. Das ist dann auch die Dosis, auf die sich 40 % der Ärzte einigen konnten, die Spurlock befragt hat. Die Mehrheit riet allerdings komplett von Fast Food ab. Amüsant ist, daß die Konzerne Kunden, die mehr als vier Mal im Monat Fast Food essen als „heavy user“ bezeichnen. Hübsch zweideutig! Übergewicht und Freßsucht sind ernste Themen, um so besser, daß es diesen Film gibt, denn die gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung eröffnet dem Dokumentarfilm ein größeres Publikum. „Super size me“ können sich auch Jugendliche ansehen ohne sich zu langweilen!
Wer bereits als Teenager fettleibig ist, hat eine um 10-15 Jahre kürzere Lebenserwartung!
Happy Meal mit Kinderspielzeug, Zusatz von Geschmacksverstärkern ins Essen, Ausrichtung von Kindergeburtstagen, ein Spielplatz auf dem Gelände des Fast Food Restaurants – all diese Maßnahmen zielen eindeutig darauf ab bereits Kinder süchtig nach ungesundem Essen zu machen, der Nachwuchs wird durch massive Werbung frühzeitig für Fett- und Zucker-Pamps angefixt.
Amerikanische Schulen haben nur noch 45 Minuten Schulsport pro Woche auf dem Lehrplan. Gleichzeitig werden die Schulen von Konzernen mit überzuckerten Getränken und fettigem Essen beliefert. Die Konzerne brüsten sich damit etwas für das Gemeinwohl zu tun. Spurlock zeigt, daß sie das Geld aber lediglich aus den Gemeinden heraussaugen und es dann an ihre Aktionäre weitergeben. An den Gemeinden bleiben die Kosten für Diabetes, Herzerkrankungen, Lebererkrankungen und anderen Folgen der Fehlernährung hängen.
Konzerne wie Coca-Cola und Mc Donald’s gehören zu den profitabelsten Unternehmen der Welt und haben jemanden wie Warren Buffet zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht. Niemand wird letztlich gezwungen deren Produkte zu konsumieren, insofern sollten sich die Opfer der Fehlernährung auch nicht beklagen. Ist das so? Angenehmerweise arbeitet Spurlock nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. In einer Welt mit mehr als 5 Milliarden Menschen ist es unmöglich, daß jeder den American way of life lebt, weil dann die Erde noch schneller unbewohnbar wäre. Vegetarier zu sein, wäre für den Einzelnen und für die Menschheit gesehen das Optimale. Aber jeder muß das selbst entscheiden. „Super size me“ liefert sehr gute Denkanstöße! Und der Film hat bereits etwas bewirkt, in den USA wurden die grotesk großen Super size Menüs vom Markt genommen. Angebot und Nachfrage, das ist die Lösung, das ist es was die Konzerne verstehen. Und woher kommen denn die Unsummen, mit denen die Konzerne sich weltweit verbreiten können? Von Millionen Kleinaktionären und Millionen Kunden! Über die Globalisierung schimpfen, einen Greenpeace-Aufkleber am Auto, an Aktienfonds von Blue Chips verdienen und ab und an einen Burger essen – sehr bequem.