Dean ist 4 und Sam ein halbes Jahr alt, als die beiden Winchester Brüder ihre Mutter in einem übernatürlichen Feuer verlieren. Der Vater, John, ein Ex-Marine, dessen einziger Zweck im Leben darin besteht das Wesen zu töten, das seine Frau ermordet hat, erzieht die beiden von klein auf als perfekte Soldaten und Jäger des Übernatürlichen.
Während Dean seinem Vater wie ein guter Sohn Schritt auf Tritt in den Rachefeldzug folgt verlässt Sam mit 20 nach einem Streit mit dem Vater die Familie um Rechtswissenschaften zu studieren. 2 Jahre später steht plötzlich Dean mitten in der Nacht in seinem Wohnzimmer und bittet ihn mit ihm zu gehen, um John, der spurlos verschwunden ist, zu finden. Widerwillig verabschiedet sich Sam von seiner Freundin Jessica - die nichts von dem etwas ungewöhnlichen Familiengeschäft der Winchesters weiß - um mit seinem älteren Bruder den Vater zurückzuholen.
Den Vater finden sie nicht - jedoch eine Weiße Frau, die erste von vielen urbanen Legenden und Geistergeschichten, die in "Supernatural" vorkommen. Zurück von ihrer Geisterjagd findet Sam sein Heim - und seine Freundin - nicht mehr so vor, wie er sie verlassen hat. An der Universität hält ihn nichts mehr, und so macht er sich mit Dean gemeinsam auf den Weg um Antworten (und vielleicht ihren Vater) zu finden.
Vom Stil her ist 'Supernatural' eine Mischung aus The Boondock Saints (toughe Brüder mit scharfen Geschützen gegen das Böse), Ghostbusters (Geisterjäger mit Sinn für Humor und schnellen Sprüchen), On the Road (Road-Trip) und The X-Files (flackernde Taschenlampen und permanent unterbelichtetes Sets). In ihrem schwarzen 1967 Chevy Impala (das Auto ist eindeutig der vierte Hauptcharakter) kurven Sam und Dean mit Metallica und Black Sabbath als musikalische Untermalung kreuz und quer durch Amerika , um es mit allem aufzunehmen, was in der Welt des Übernatürlichen Rang und Namen hat (Hookman, Bloody Mary, der tote Junge im See, der Hitchhiker, Formwandler, Vampire, dem Sensenmann, etc...), immer dem vermissten Vater auf der Spur.
Der erste Teil der ersten Staffel ist eindeutig auf Stand-Alone Episoden ausgerichtet, die ähnlich funktionieren wie in The X-Files, aber gegen Episode 11 kristallisiert sich ein spannender mythologischer Bogen heraus.
'Supernatural' ist von den X-Files Machern (Robert Singer, John Shiban, Kim Manners) und das merkt man auch. Jede Episode versucht sich als Mini-Horror-Movie. Dramaturgisch sind die Folgen ambitioniert gut (bis vielleicht auf den Ausrutscher mit "Bugs"), die "Scares" treffen an den richtigen Stellen, aber was die Serie ausmacht ist die Beziehung zwischen den beiden Brüdern die irgendwo zwischen bedingungsloser Aufopferung und unüberwindbaren Differenzen schwankt.
Schauspielerisch muss man vor allem Jensen Ackles (Dean) hervorheben, der die Balance zwischen arrogantem Frauenheld (mit mehr oder minder guten Sprüchen) und verletzlichem Familienmenschen hält und Dean zu einem sehr komplexen Charakter macht. Jared Padalecki spielt den sensiblen Sam, der nicht nur ein paar außergewöhnliche Fähigkeiten im Ärmel versteckt sondern auch einen ganz schönen Jähzorn entwickeln kann. Das die beiden zu den "Hottest People 2005" zählen, schadet der Serie auch überhaupt nicht.
Fazit also: guter Horror, coole Musik, hotte Geisterjäger, ein bisschen Drama, trockener Humor und für eine WB-Serie erstaunlich viele Flüche und erstaunlich viel Ekel, Schleim und Blut.
Warum nur 4 Punkte? Weil nur die halbe Staffel und null Extras. Im September 2006 soll ja die ganze Staffel auf DVD erscheinen, vollgepackt mit netten Extras. Und die zweite Staffel "Supernatural" ist von CW (dem ehemaligen Warner Bros TV) schon fix gebucht.