Graham Hancock ist durch seine bereits ins Deutsche übersetzten Bücher auch hierzulande ein bekannter Autor im Bereich alternativer Geschichtsforschung. Sein neuestes Buch Supernatural ist gerade auf Englisch erschienen. Der Einstieg war nicht gerade leicht, schon allein wegen des furchterregenden Umfangs seines neuen Werks. Außerdem wurde mir erst viel später klar, was die Schilderung seiner Drogenerfahrung mit einer Pflanze, die dem Menschen erlaubt, die Toten zu sehen, mit meinem viel größeren Interesse zu tun haben könnte, herauszufinden, was zum Teufel auf dieser Welt eigentlich los ist. So begann ich also eher milde interessiert von schamanischen Portalen und Heilungen durch Geistwesen zu lesen, die der Autor dem Leser gleich auf den ersten Seiten präsentiert. Danach kommt der erste Themenblock: Es geht um archäologische Funde von Höhlenmalereien in aller Welt, und ich erfahre, dass lange, lange Zeit das größte Rätsel der Archäologie darin bestand, die seltsamen Zeichnungen zu interpretieren, die rund um den Globus die frühesten Hinweise auf die aufkommende Kultur der Menschen darstellen. Dass die dort gefundenen Bilder menschlicher Gestalten und auch von Tieren oftmals nicht wirklich akkurate Abbildungen der uns bekannten Formen darstellen, war lange Zeit schwer erklärbar. Konnten die Höhlenmenschen noch nicht so gut malen? Nein, nein. Graham Hancock belegt durch eine beeindruckende Fülle graphischer Beispiele: An künstlerischer Begabung fehlte es keineswegs. Und wenn man die Ähnlichkeit der Funde weltweit bedenkt, dann kann man eigentlich nur von Vorsatz sprechen. Irgendetwas veranlasste die Alten, menschliche Körper immer mit Tierköpfen zu malen, oder mit merkwürdigen Linien, die in ihre Körper eindringen wie Lanzen. Und die Tiere, wenn es denn welche sein sollten! Oft sitzen oder stehen sie in menschlicher Haltung herum, haben lustige Muster aus Punkten auf ihren Körpern und sind meist mit ganz unbiologisch wirkenden Köpfen ausgestattet, oder auch mit zweien. Und die abgebildeten Menschen: Wenn sie überhaupt mal eine realistische Körperform aufweisen, dann nehmen sie die verrücktesten Haltungen ein: viel zu weit nach vorne gebeugt, und mit den Armen grotesk nach hinten verrenkt. Überall auf der Welt finden sich derartige Darstellungen. Was soll das?
Erst in jüngster Zeit, so Hancock, wurde klar, dass die Menschen der Vorzeit genau das auf die Höhlenwände malten, was sie in ihrer eigenen, täglichen Erfahrung am meisten beeindruckte: Und das waren die Erlebnisse bei ihren regelmäßigen Reisen in Geistwelten, bei denen entweder sie selbst sich in diese Figuren verwandelten, oder mit Wesen in derartiger Gestalt interagierten. Und das wirft die Frage auf, ob diese Erlebnisse denn wirklich so vollkommen irreal waren, wie die Forscher lange Zeit annahmen. Warum sollten die Menschen zehntausende von Jahren gerade diese Erfahrungen dokumentiert haben, wenn die Grundlagen dafür rein auf Einbildung basieren? Könnte es stattdessen sein, dass diese Welten weit mehr sind als nur die Einbildung von Gehirnen im Drogenrausch?
Das wird im weiteren Verlauf des Buchs immer klarer und überzeugender. Auf einmal wechselt der Autor den Betrachtungshintergrund und wendet sich dem Thema UFOs und insbesondere den vielen von Prof. John Mack dokumentierten Fällen angeblicher Entführungen durch Außerirdische zu. Man möchte die bizarren Schilderungen der Opfer zuerst als Einbildung abtun, denn wozu, bitte, sollen Außerirdische ihren Entführungsopfern den Schädel öffnen, um eine Schlange darin unterzubringen? Oder die Eingeweide herausnehmen, um Steine darin zu deponieren? Oder andere seltsame Operationen vornehmen, wie zigfach geschildert?
Dann erfahren wir im nächsten Kapitel, dass Ayahuasca-Schamanen ungefähr dasselbe berichten. Ihre Erlebnisse in Geistwelten gleichen auf frappierende Weise den Entführungsberichten, die John Mack gesammelt hatte. Nach weiteren 150 Seiten ist mir klar: Das muss alles dieselben Welten, dieselben Wesen betreffen egal, ob die Berichte von Höhlenmenschen stammen, von UFO-Entführten, von Schamanen aus dem Urwald oder von Versuchspersonen, die in einer aufsehenerregenden, wissenschaftlichen Versuchsreihe mit der Droge DMT gewonnen wurden. Hierzu berichtet das Buch in einem weiteren Kapitel. Es geht um die Interviews, die im nachfolgend besprochenen Buch von Rick Strassman veröffentlicht wurden.
Als Leser wird mir immer klarer: Sobald sich Menschen in einen, wie auch immer erzeugten, alternativen Bewusstseinszustand bringen, in dem sie andere Welten erleben können, dann treffen sie, vorhersehbar, auf Wesen anderer Realitätsebenen, die mit ihnen die merkwürdigsten Dinge anstellen. Oftmals sind die wahrlich zum Fürchten, andere Male auch lustvoll, oder zum Lachen. Eins sind sie jedoch in den allermeisten Fällen: auf eine existentiell ganz unmittelbare Art heilend und belehrend. Und nicht zu vergessen: Übernatürlich. Hancock zieht eine weitere Parallele, indem er die reichhaltige Folklore, vor allem Englands und Irlands sichtet, und verschiedene Erzählungen aufleben lässt, in denen beispielsweise Menschen zu Zeugen von Elfentänzen wurden. In anderen Märchen werden Fälle überliefert, in denen Feen den Menschen statt des eigenen Kinds einen außerirdisch wirkenden Wechselbalg in die Wiege legten, den sie dann aufziehen mussten. Auch solche Mythen haben überraschende Parallelen mit den vorangegangenen Fallberichten von John Mack über UFO-Entführungen. Denn wieder berichten Menschen von seltsamen, außerirdischen Babys mit papierähnlicher Haut, es kommt öfters auch zu sexuellen Übergriffen oder gar zur Elternschaft über Realitätsgrenzen hinweg: etwa indem eine Frau gezwungen wurde, ein außerirdisches Baby zu versorgen, oder indem jemand regelmäßig von Aliens zur Erfüllung der ehelichen Pflichten in eine andere Welt abgeholt wurde. Bitte bedenken Sie: Das sind, wie Graham Hancock zeigt, keine Einzelfälle. Es geschieht auf diesem Planeten in Serie, quer durch die Jahrhunderte.
Je weiter ich lese, desto mehr knickt mein armes Realitäts-Bewusstsein ein. Ach so ist das? Diese Welten sind vielleicht genauso real wie unsere? Und die Kultur dieser Wesen, wenn man denn davon sprechen kann, ist vielleicht viel älter als die unsere? Und am Ende haben sie uns gar erschaffen oder verfolgen zumindest interessiert unsere Entwicklung? Das sind ja Aussichten.
Bevor ich diese Rezension beende, muss ich Ihnen noch erzählen, was mich am meisten umgehauen hat in diesem ganzen Buch:
Sie haben doch sicherlich schon davon gehört, dass für mindestens 90 Prozent unserer DNS wissenschaftlich gar keine Funktion bestimmt werden kann, sondern dass lediglich den restlichen 3-10 Prozent unserer DNS irgendwelche eiweiß-kodierenden Aufgaben zugeordnet werden. Arroganterweise hat die Wissenschaft den anderen, überwiegenden Teil unseres Erbmaterials lange Zeit als Müll-DNS abgetan. Von wegen! Jetzt kommt nämlich der Clou. Es gibt in den Sprachwissenschaften ein merkwürdiges Gesetz. Es stammt vom Linguisten George Zipf, und es besagt, in kurzen Worten ausgedrückt, Folgendes: Nehmen Sie einen beliebigen Text in einer beliebigen Sprache in beliebiger Länge. Das kann ein Stammeslied in Kisuaheli sein, ein Gedicht in Urdu oder ein Fachartikel auf Deutsch, ganz wurscht. Bestimmen Sie in diesem Text eine Rangliste der vorkommenden Wörter, sodass Sie danach wissen, welches Wort am häufigsten vorkommt, welches am zweithäufigsten, und so weiter. Angenommen, Sie wählen die Textlänge so, dass Ihr häufigstes Wort genau 1.000 Mal vorkommt: Dann wissen Sie durch das Gesetz von Zipf, dass das zweithäufigste Wort genau 100 Mal vorkommen wird, das dritthäufigste 10 Mal, und so weiter. Es handelt sich hier anscheinend um einen präzisen Test, mit dem man eindeutig bestimmen kann, ob eine bestimmte Folge von Symbolen oder Zeichen die Eigenschaft von Sprache aufweist. Erstaunlich, aber wahr. Wenn es sich um Sprache handelt, dann muss das Zipf-Gesetz gelten.
So, und nun zurück zur DNS. Raten Sie mal, was für den sogenannten Müll in unserer DNS gilt? Genau. Man weiß zwar nicht, um welche Informationen es sich handelt, aber das Zipf-Gesetz lässt sich darauf anwenden. Es handelt sich also um Sprache, die da in unsere DNS eingebettet ist. Das müssen eigentlich ganze Bibliotheken sein in einer Sprache, die wir nicht verstehen. Oder die nur der lesen darf, der dafür würdig ist. Vielleicht erklärt dies die Aussagen einiger Entführungsopfer oder von Versuchspersonen auf DMT, die erlebten, dass Wesen aus anderen Dimensionen ihnen gewisse Bücher zu lesen gaben, deren Inhalt plötzlich in sie einströmte und wundersamen Sinn machte. Sind das vielleicht genau diese Bücher, die wir schon immer in uns tragen, und die irgendjemand dort abgelegt hat, in der Hoffnung, dass wir uns, in unserer Gesamtheit, endlich in den Zustand entwickeln, sie lesen zu können? Übrigens: Graham Hancock argumentiert, dass sich überall auf der Welt die menschliche Kultur genau dann entscheidend zu entwickeln begann, als die Menschen lernten, paranormale Bewusstseinszustände nicht nur für die Schamanen und Eingeweihten, sondern in größerem Stil auch für den Rest der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. ;-))