"Das Herz des Drachen" ist ein wirklich gut und flüssig geschriebenes Buch, das ohne Zweifel. Allerdings hatte ich ein paar (oder ein paar mehr) Probleme mit anderen Dingen.
Zum einen wäre da die Spannungskurve, die sich zwar ordentlich und in bester Manier aufbaut, aber zum Ende hin wo es so richtig krachen sollte nichts anderes tut als vor sich hin zu dümpeln und schwer zu enttäuschen. Der Finale Kampf von Sam und Dean mit dem Herz des Drachen war einfach nur ein Witz, jedes X-beliebige Nebenmonster der Woche wäre da schon anspruchsvoller zu bekämpfen gewesen. Gerade wenn man daran denkt, dass das Buch mit dem langen Aufbau der Geschichte des gefallenen Samurai nur auf diesen Moment hin zu läuft. Das lässt einen sehr verstimmt zurück.
Dann wäre da der Punkt der Winchester-Brüder. Wo bitte waren sie? Und das meine ich sowohl körperlich als auch geistig. Das Buch ist gut 310 Seiten lang. Sehr viel Zeit und Gelegenheit sich mit den Hauptcharakteren zu beschäftigen. Stattdessen wird jede daher gelaufene Randfigur mit ausführlichsten Motiven, Beweggründen und Vergangenheit ausgestattet. Versteht mich nicht falsch, ich finde das echt gut, nur nicht wenn es auf Kosten von Sam und Dean geht die dadurch zu Randfiguren in ihrer eigenen Geschichte werden.
Natürlich könnte man jetzt angeben das man dafür gleich drei Generationen ihrer Familie erleben konnte, die Campbells mit Samuel, Deanna und Mary, John Winchester und Sam und Dean. Tatsächlich fand ich es wirklich wundervoll die Jungs kurz als Kinder in der Obhut Bobbys zu sehen. Aber für ein Buch auf dessen Titel einem Sam und Dean direkt ins Auge springen, waren sie eindeutig viel zu selten präsent.
Und dann ist da Punkt wie sie präsent waren. Ich muss gestehen das dies mein erstes Supernatural Buch gewesen ist. Allerdings habe ich schon viele Bücher zu verschiedenen Serien gelesen und weiß das es durchaus möglich ist den Geist der vorgegebenen Charaktere einzufangen. Hier allerdings ist das meiner Meinung nach nicht so gut gelungen. Das mag zu einem großen Teil an der besagten Tatsache liegen, das Sam und Dean nur die Präsenzspanne zweier Nebencharaktere inne hatten, zum anderen aber auch daran das die beiden nicht im geringsten in der so vertrauten Art und Weise wie wir es aus der Serie kennen miteinander agierten. Sie wirkten mehr wie zwei stink normale Brüder aus einem stink normalen Leben in ihrem Umgang miteinander, als die vom Schicksal geplagt und gebeutelten Brüder. Gerade der Zeitpunkt der Handlung des Buches, der in etwa der Mitte der 5. Season liegt, hätte so viel mehr hergegeben.
Zudem gab es da noch einen weiteren kleinen Punkt der mich wirklich richtig gestört hat und die Finanzen der beiden angesprochen hat. Ziemlich zu Beginn des Buches erleben wir Dean der beim Poker versucht Bares für ihre leeren Kassen zu gewinnen. Das an sich ist nicht ungewöhnlich, beide Winchesters haben hier und da durch kleinere Gaunereien ein paar Doller aufgetan. Aber das sie allein darauf angewiesen sind um ihre Geldbeutel voll zu halten?? Was ist bitte aus dem guten alten Kreditkartenbetrug geworden? Dieser seltsame Blick auf die Finanzen der Brüder war mir sehr suspekt.
Aber genug der negativen Kritik. Wäre es kein Supernatural Buch gewesen, hätte es eindeutig mehr Punkte verdient, denn in dem Falle wäre es wirklich nur das schwache Ende das einem das Lesevergnügen etwas verstimmen würde. Es ist spannend geschrieben und bis zum Ende hin habe selbst ich es kaum aus den Händen legen können. Nun ja, zu einem guten Teil auch wegen der Hoffnung endlich mal etwas mehr von Sam und Dean zu sehen...
Fazit: Für hingebungsvolle Fans eher enttäuschend, aber für jeden der nicht so ein akribisches Auge auf die Serie hat eine solide Unterhaltung.