Ja, viele haben mit Superman Returns so ihre Schwierigkeiten. Und tatsächlich besitzt der Film auch eine Schwäche: Das Drehbuch macht zu viele Voraussetzungen - man muss die alten Filme kennen, die Comics und sich in die Story einfühlen, die eher ungewöhnlich ist, da sie nicht am Anfang beginnt, sondern eigentlich mittendrin. Über weite Teile erzählen die Figuren des Films nur seine Vorgeschichte, was gegen bestehende Kinokonventionen verstößt.
Andererseits entsteht so eine komplexe und vielschichtige Geschichte, die einzig und allein dazu da ist, Superman als modernen Mythos vor dem Hintergrund seiner Tradition für die Gegenwart zu definieren. In jeder Szene mit Clark Kent/Superman, geht es darum, das Richtige zu tun. Die Dreieckskonstellation zwischen Louis Lane, ihrem Verlobten und Superman (eigentlich sogar beinahe eine Viereckskonstellation, wenn man Clark Kent dazu zählt) ist dabei der eigentliche Bösewicht, gegen den es sich zu beweisen gilt, nicht Lex Luthor. So macht der Film das einzig Richtige, was ein Superman-Film machen kann: Die Action von der reinen Handlungsebene auf die Figurenkonstellation und ein moralisches Dilemma verschieben.
Darüber hinaus beeindruckt mich der Film mit dem, was die meisten kritisieren: seine Langsamkeit. In jeder Szene, jeder Einstellung, wird das Erhabene, das Monumentale an der Figur deutlich gemacht und in wunderbare Bilder verpackt. Das kostet Zeit, die sich der Film gottlob nimmt. Nichts für Actionfans, da der Film auf diese Weise beinahe schon poetisch wird. Aber gerade deswegen für mich ein grandioser Kinofilm und nach BATMAN Dark Knight und Watchmen die beste Superheldenverfilmung derzeit.