Wenn man sich mit dem gängigen Comic-Stil der Marke *Nonsens statt Tiefe* arrangieren kann, so ist *Apocalypse* eine nette Unterhaltung. Wer allerdings wie ich auf Spannung, Feingefühl und ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit Wert legt, geht hier wie so oft leer aus.
Zunächst sei angemerkt, dass wie bereits bei *Public Enemies* gelungene Animationen geboten werden, der Zeichenstil aber anders ist. Die Titelhelden überzeugen mich diesmal optisch schon wieder nicht, weil sie doch irgendwie sehr steife Ken(Barbie)-Gesichter haben und auch in Bezug auf die Story nicht glänzen können. Insbesondere mein Lieblings-Held *The Dark Knight* wird um seine legendären Taktiken betrogen und kämpft sich als total deplatzierter schwarzer Fleck in gleißendem Sonnenlicht durch einen gänzlich Fledermaus-unfreundlichen Film; für mich leider kein gelungenes Cross-Over. Doch zum Inhalt.
Hier werde ich kräftig SPOILERN, also bei Überraschungsbedarf nicht weiterlesen.
Wir erinnern uns, der gigantische Meteorit wurde erfolgreich von unseren Superhelden zerstört; nun regnen Splitter davon auf die Erde nieder. Auf diesem Wege landet ein kryptonisches Mädchen in Gotham City, das mangels Kontrolle der neu erwachten Superkräfte erst mal kräftig die Stadt verwüstet (Bis hier hin grandios!). Glücklicherweise hat Batman ein Stück radioaktives Kryptonit in der Tasche (er wird wohl eh keine Kinder zeugen), und rettet vorerst den Abend. Bald darauf stellen unsere Titelhelden fest, dass die junge Dame keine geringere als Supermans Cousine Kara ist! Zur allgemeinen Sicherheit wird sie zunächst in Supermans Festung am Südpol unter Quarantäne gestellt und mausert sich in nur einer Woche Kultur-Crashkurs zum amerikanischen Vorzeige-Girl *ähem*. Bald hat sie aber die Dinosaurier (???) des sommerlichen Südpol-Terrariums satt (was soll dieser abgedrehte Blödsinn? Ach so, es kommt eh noch viel dicker) und es wird Zeit für die Instant-Integration Teil 2 - Shopping in Metropolis! Bevor es noch platter wird, schreitet Wonder Woman ein und bringt Kara zwecks Training auf ihre Amazonen-Insel.
In der Zwischenzeit ist auf dem Planeten *Apocalypse* der ultimative Bösewicht Darkseid auf der Suche nach einem weiblichen Side-Kick und weiß um das Super-Girl in spe Bescheid (Is halt so). Via Portal schickt er also eine Armee aus replizierten Doomsdays auf die Amazonen-Insel (er weiß halt, wo die ist) und der Zuschauer bekommt nun eine selten-blöde Schlacht zu sehen:
Die Kriegerinnen schlagen sich wacker, Batman darf eine Streitaxt schwingen (nein, nein, NEIN!) und Superman tötet hier und da Gegner, indem er sie einfriert und dann zu Scherben zerhaut. Erst als ein Großteil (!) der Amazonen besiegt ist, lässt er das Heer zurück pfeifen und tilgt die Gegner in einem Laser-Blick-Flammenmeer vom Erdboden. Jetzt (!) hat er plötzlich Gewissensbisse, weil er töten musste! Leider meint er damit nicht die unzähligen am Boden liegenden Damen, von denen einige vielleicht nur verwundet waren, aber nun wohl unweigerlich eingeäschert sind. Warum hat er diesen Trick nicht gleich zu Beginn der Schlacht angewendet? Hier sehen wir ein typisches Beispiel von zu starken Helden, die zu schwach rüberkommen, weil sie aus rein dramaturgischen Gründen ihre Kräfte schlecht einsetzen. An anderen Stellen wird übrigens hemmungslos getötet und es fließt Blut.
Während des verunglückten Gemetzels wird Kara von Darkseid nach Apocalypse entführt, und unseren Helden bleibt keine andere Wahl, als ihr dorthin zu folgen. Mittels Portal gelangen Batman, Superman, Wonder Woman und die wunderbar bärbeißige Barda auf den Höllen-Planeten und lassen auch die letzte Spur von Bodenständigkeit hinter sich. Tapfer kämpfen sich die Vier durch einen unbeschreiblichen Star-Wars-meets-Oblivion-Trash, und Batman, der glücklicherweise auch ohne Atmosphäre atmen kann, juckelt mit einer erbärmlichen Superman-Prothese durch die Luft und wird auch noch von einem gigantischen Köter verschluckt (Och nee echt...)
Nach allerlei Kämpfen und Worthülsen können die Helden samt Kara zur Erde zurückkehren und alles ist gut. Alles? Ausgerechnet in der piefigen Kleinstadtidylle Smallville, wo Clark seinen Eltern seine Cousine vorstellen möchte, lauert Darkseid im trauten Heim, ohne, dass die Kryptonier mit ihren Super-Sinnen irgendwas gemerkt hätten. Woher kennt er Supermans Privat-Adresse? Warum kann er sich jederzeit überall hinbeamen? Warum hat er dieses Wissen/Können nicht schon viel früher eingesetzt? Egal, ist wohl wieder so ein Dramaturgie-Kniff *hust*. Im nun folgenden spektakulären Endkampf kann Kara zeigen, dass sie einiges gelernt und ihr bauchfreies Mini-Rock-Super-Girl-Outfit redlich verdient hat *stöhn*.
In punkto Stumpfsinn wird der Vorgänger *Public Enemies* weit übertroffen, allerdings ist *Apocalypse* insgesamt so abgedreht, dass der Mangel an Logik hier weniger auffällt. Der Fokus wurde angenehm auf menschliche Themen wie Karas Entwicklung gelegt und es gibt viele gelungene Szenen, die jedoch die fehlende Tiefe nicht füllen; lediglich die dynamisch inszenierte Action ist ein nennenswerter Hingucker. Es bleiben zwei selten-blasse Titelhelden, denen von den wunderbar hieb- und trittsicheren Damen gänzlich die Show gestohlen wird, und ein übermächtiger und gleichzeitig banal wirkender Antagonist, der schnell in Vergessenheit gerät.
Fazit: Unterhaltsamer Fantasy-Trash mit guten Momenten und furiosen halb-nackten Ladys. Wer diese typische Comic-Massenware mag kann zugreifen; wer wie ich von den *Animated Series* verwöhnt ist, sollte es lassen!