Wer sich durch den knalligen Titel nicht abschrecken lässt und zu blättern beginnt, der legt das Buch so schnell nicht wieder weg. Das Fernsehen beginnt zu fragen 'Wann ist ein Mann noch ein Mann?' Dieses Buch riskiert zu fragen: Warum fehlt heute die Balance und die verbindende Kommunikation zwischen einem auf sich stehenden Mann und der selbstbewussten Frau? Es geht um den 'entkernten Mann', der - aus allen traditionellen Rollen gefallen - zum Problemfall wird.
Schön, wie dieses Buch unverblümt klar stellt: Dass es bei der neuen Rolle des Mannes nicht um das verständige Auch-Windel-Anlegen, Auch-Kinderwagen-Schieben, Auch-Mann-im-Kreißsaal geht. Ja, dass sich eine neue Rolle von Jungen und jungen Männer bei Licht besehen entwickeln muss auf dem Hintergrund einer 'Supermacht Frau'. Da wird den so unter dem Patriarchat leidenden Frauen ein Spiegel vorgehalten, dessen Facetten vielen schon deshalb nicht gefallen wird, weil Frau sich ertappt fühlt.
Spätestens im 4. Teil, wo die Frage nach der Macht der Liebe gestellt und aus Werken klassischer Literatur geschöpft wird, spürt man, hier hat eine Frau, Ingrid Schumacher, das Feld bestellt. Der Satz aus der Genesis 'Als Mann und als Frau schuf er sie' taucht nicht nur mehrmals im Buch auf, um die Leser zu mahnen, die Zukunft als Gesamtwerk von Mann und Frau zu gestalten - das Buch selbst ist ein Beispiel dafür. Wo der Autor Werner Siegert nicht ausdrücklich für seine Beiträge zeichnet, dürfte weibliche und männliche Sicht in alle Kapitel gleichermaßen eingeflossen sein.
So bahnen die Autoren - jenseits einseitiger feministisch-ideologischer Fixierungen - einen Weg zu einer fruchtbaren Geschlechter-Kultur. Wichtige Schaltstellen der Gesellschaft - so die Vision - sind je von einer Frau und einem Mann wahr zu nehmen, damit beider Denken und beider Intuition die Entscheidungen prägen. Unmöglich? Seit je her sorgen Mann und Frau gemeinsam für die Zukunft unserer Gesellschaft.
Thilo Sarrazin regte Frau und Mann - nicht nur der politischen Klasse - erstaunlich auf durch Formulierungen wie "Es ist tabu, darüber zu reden, dass wir als Volk an durchschnittlicher Intelligenz verlieren, wenn die intelligenten Frauen weniger oder gar keine Kinder zur Welt bringen ... 'Es wäre zu fragen, welche gesellschaftlichen Umstände und individuellen Dispositionen dazu führen, dass es so viele Alleinerziehende gibt, und was man dagegen tun kann''. Auch dieses Buch kann uns deutlicher machen, dass es in Zukunft in einem mehrfachen Sinne geht um tiefer zu legende Überzeugungen, um gewaltfreie Kommunikation, um neue Konzepte von INTEGRATION - zwischen In- und Ausländern, zwischen Alt und Jung, zwischen Mann und Frau. Sarrazin zitiert Ferdinand Lassale: 'Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist'
Dr. Klaus Theodor Ruthenberg