Eigentlich entspricht der Held der Geschichte gar nicht dem üblichen Bild eines Helden. Schnell begreift man, dass es eine traurige Lebensgeschichte ist, die hier von Donald erzählt wird. Und doch zeichnet sich ebenso schnell und leichtfüßig ab, dass es dennoch eine heldenhafte Beschreibung des Alltags eines vom Krebs gepeinigten 14jährigen Jungen ist, der im Gegensatz zu seinen ängstlich hoffenden Eltern - mutig und gefasst dem entgegenblickt, was auf ihn zukommt. Ein Kennzeichen, das eben auch einen Helden auszeichnet.
Bei aller Traurigkeit des Geschehens gelingt dem Autor des Buches seinen Protagonisten so stark und auch witzig sein zu lassen, dass man die Themenschwere gut verkraften kann. Der vom absehbaren Tod stigmatisierte Junge ist leidenschaftlicher Comiczeichner. Und das ist es, was ihn so wird es offenbar gut mit seinem Leben, wie es ist, fertig werden lässt. Er erfindet Miracle Man, einen Superhero, einen Helden, der in der Parallelwelt des Gezeichneten bisweilen das erleben und erfahren kann, was dem eigentlich, realen Helden in seiner Lebenswirklichkeit verwehrt bleibt.
Dem Wunsch des Jugendlichen, nicht als Jungfrau zu sterben, und dessen Phantasien real erlebbar werden zu lassen, versucht der Psychiater Adrian durch die Buchung einer Prostituierten zu entsprechen. Gut gemeint ist dieser Gedanke für die Angehörigen undenkbar und moralisch nicht zu vertreten. Donald nutzt seine Chance jedoch ganz anders, als alle Vermutungen seines Lebensumfeldes gedacht hatten und stirbt schließlich vermutlich mit sich und dem Schicksal im Reinen. Sein vorher noch fertig gestellter Comic nährt diese Vermutung und gibt zudem einem Tagebuch gleich einen posthumen Einblick in das kurze Leben des wahren Superhelden der Geschichte.
Anthony McCarten ist es gelungen, tiefgründig und doch mit ausreichend Witz versehen die Geschichte des Todgeweihten Jugendlichen zu erzählen, ohne dass einem mitleidsvoll die Worte fehlen. Vielmehr ist es geradezu eine Mutmachende und auch mutige Erzählung, die neben der Erfüllung einer unterhaltenden Funktion eine Reihe Hinweise auf die Notwendigkeit wertfreien Verständnisses und aufrichtiger Liebe in der Begleitung todkranker Menschen aufzeigt. Auch das ist fast schon eine kleine Heldentat.