Es steht ja nicht immer von vorne herein fest, wenn sich Musiker-Grössen aus verschieden musikalischen Genres zusammentun, dass da auch was Gutes dabei rauskommt. Mit einiger Skepsis habe ich die Ankündigungen rund um das "Superheavy"-Projekt wahrgenommen und mich schon immer wieder gefragt, ob ich da auf meinen Anteil "Satisfaction" kommen werde, zumal ja doch ein nicht unbeträchtlicher Anteil reggae-mässig angelegt ist.
Um dieses Album wirklich geniessen zu können, muss man einmal die Stones, Mick Jagger solo, die Eurythmics etc. etwas ausblenden und "Superheavy" als eigenständiges Werk sehen. Oder geistig wie einen Film ablaufen lassen. Und zwar mit folgenden Darstellern:
DAMIAN MARLEY als "Da Man From Jamaica", zuständig für coole Rhymes & Reggaefeeling
MICK JAGGER als Paradiesvogel, Gegenpart und manchmal etwas genervter Zappelphilipp, der das Reggaekorsett aufschnürt und eine gehörige Portion Rock mit einbringt
JOSS STONE als Soul-Engel; mit ihrer natürlichen, unkomplizierten Art für sorgt sie für perfektes Harmonie-Feeling
DAVE STEWART alias Captain Dave, Regisseur und Mann im Hintergrund, zuständig für den superb ausgetüftelten, mächtigen Wall-of-Sound
A. R. RAHMAN, Film- und Weltmusiker, gibt dem ganzen mit exotischen Gewürzen einen Touch von World Music
Die einzelnen Tracks wurden ja bereits in anderen Rezensionen ausgiebig besprochen, darum werde ich mich darauf beschränken, einzelne Highlights hervorzuheben, die da wären: Der wuchtige Opener "Superheavy" mit Damian Marley als Hauptakteur, das bereits bekannte "Miracle Worker", das Kraftpaket "Energy", das geile Soul/Blues-Duett "One Day One Night", die wunderschönen Balladen "Never Gonna Change" und "World Keeps Turning" und natürlich nicht zu vergessen und zur Freude aller Jagger-Fans, das rockig-fetzige "I Can't Take It No More". Selbst der etwas dance & techno-lastige Schluss-Track "Hey Captain" (einer von vier Bonus Tracks auf der Deluxe Edition) ist auf grund seiner geballten Kraft recht überzeugend.
Die Aufteilung der Vocal-Parts ist optimal, niemand kommt zu kurz, Mick Jagger ist souverän wie eh und je und Joss Stone macht mit ihrer aussergewöhnlichen Stimme aus vielen Songs etwas ganz Besonderes. Durchhänger oder schwächere Songs gibts auf diesem Album kaum; nur wenn A. R. Rahman den Schauplatz komplett nach Bollywood verlegt ("Satyameva Jayathe", "Mahiya"), muss ich leider weiterzappen, das ist micht so mein Fall - Geschmackssache eben.
"Superheavy" ist mit seinem Abwechslungsreichtum, seiner Spontanität und seiner Spielfreude sicherlich zu einer der Überraschungen des Jahres avanciert. Da bedarf es auch keines Konzepts oder einer musikalischen Klammer, ist ja kein Konzeptalbum, die Devise lautet einfach: zuhören, geniessen, Spass haben - so wie es offensichtlich auch alle beteiligten Musiker im Studio hatten. "Superheavy" klingt frisch und unverbraucht, inspiriert und ist einmal ganz was Neues. Man wünscht sich mehr davon. Vielleicht nächstes mal auch mit Keith Richards? Der steht ja auch auf Reggae!