Na, also:
Endlich, nach etwas mehr als 20 Jahren Wartezeit, erscheint tatsächlich auch in Deutschland SUPERGIRL in voller Länge. Oh ja, in Sachen SUPERGIRL gab sich seinerzeit 1984 Deutschland mal wieder alle Ehre als DAS Land der Filmzerschnippler schlechthin. Gottseidank zumindest diesmal nicht in Sachen DVD. Ein Lob, wenn auch erst nach über 20 Jahren....
Die Gründe der früheren 89-Min.-Fassung:
SUPERGIRL wurde bevor der Film ins deutsche Kino kam auf knapp unter 90 Minuten drastisch gekürzt um somit vier Kino-Vorstellungen je Tag zu legitimieren.
Anstatt wie ansonsten meist üblich 3 Vorstellungen um 15:00, 17:30 und 20:00 Uhr täglich anzubieten konnten die Kinos somit 4 Vorstellungen täglich präsentieren. Ich erinnere mich noch: um 14:00, 16:00, 18:00, 20:00 Uhr. Und am Wochenende zusätzlich noch eine fünfte um 22:00 Uhr.
Zu der Zeit war es Mode geworden und rechtlich abgesichert bei Filmen die unter 90 Minuten Laufzeit hatten 4 Vorstellungen je Tag je Kinosaal zu bewerkstelligen.
Leider wurde der Film tatsächlich auch nur in dieser gekürzten Fassung synchronisiert. Das war auch der Grund warum niemals im deutschen TV die ursprüngliche Version von rund 120 Min. gezeigt werden konnte, da es sie ja nicht gab in deutscher Sprache.
Erinnerungen:
In einer damaligen Filmzeitschrift befand sich zum Kinostart ein mehrseitiger Farbbericht zu SUPERGIRL der einige Fotos beinhaltete welche in der deutschen Version gar nicht enthalten waren. Man erinnert sich an eines der damals am heufigsten verwendeten Fotos in welchem Supergirl als Linda Lee in ihrem College-Outfit vor einem grossen an der Wand hängendem Poster ihres Cousins SUPERMAN (Christopher Reeve) stand und es bewunderte.
Im Kino wartete ich vergeblich auf diese Szene.
In den 90er Jahren gab es den Film in England auf Video, leider nur im Vollbild, aber natürlich ungeschnitten. Dort war selbstverständlich die Szene enthalten. Zudem ergab der Film hier einen glaubwürdigeren, ernsteren Sinn.
Ich hoffte auf eine deutsche Veröffentlichung, irgendwann, in vollem Breitbildformat, ungeschnitten und vernünftig synchronisiert....
Die Jahre vergingen, die Hoffnung schwand....
Die Unterschiede:
Die frühere extrem gekürzte Version hinterließ den Eindruck eines reinen Kinderfilms. Auch der eigentlichen Rahmenhandlung konnte man kaum folgen da aufgrund etlicher starker Kürzungen (rund ein Viertel des Films fehlte) der ganze knapp 90-Minuten-Film wie ein kurioser schwachmatischer Bilderbogen ohne viel Sinn und Bedeutung auf die Kino- und späteren TV-Zuschauer wirkte.
Sehr abstrakt und unwirklich allein schon der Beginn als Kara durch eine bunte weltraumähnliche Welt in ihrer Raumkugel dahergleitet und schwupps schießt sie im maßgeschneidertem SUPERGIRL Kostüm aus dem Wasser.
Die schlechte Synchronisation gab ihr Übriges. Teils lächerlich.
Die neue Version auf DVD:
Irgendwann, später, im nächsten Jahrtausend, ich konnte es erst nicht glauben, war es dann soweit:
eine deutsche Veröffentlichung, in vollem Breitbildformat, ungeschnitten und vernünftig synchronisiert!
Es ist wie ein Wunder, eine Offenbarung sondergleichen:
- SUPERGIRL - 120 Min. - 1:2,35 - (anamorph 16:9) - Stereo Dolby Surround -
- ungeschnittene Originalversion - deutsche komplette Synchronisation -
Die Bildqualität ist herrlich! Der Ton ist klasse! Die neue deutsche Synchro ist genial! Hervorragend!
Und man glaubt es kaum, der Film erscheint einem nun in seiner 120 Min. Pracht wie ein ganz anderer Film als vorher. Kein Wunder, wirkt er nun ernster und nicht mehr ganz so kindergartengerecht, insbesonders in der dem Original etwas mehr angepasster Synchronisation.
Und man bekommt einige Fragen beantwortet für die man zumindest in Deutschland seit 1984 keine Antworten bekam:
- WO ist Superman ???
- WAS macht Zaltar (Peter O'Toole) in der Phantomzone ???
- WER ist Lucy (Jimmy Olsen's Freundin) ?
Einige Gründe mehr warum SUPERGIRL einst einen so sinnlosen Eindruck hinterließ.
Nun, ja, der Film an sich weist ein sehr schwaches Drehbuch auf, das ist nicht zu verleugnen. Die Sache mit dem 'Inner Space' (eine Art anderer Dimension) sowie besonders die Umsetzung als Supergirl auf die Erde gelangt hätte um einiges besser in Szene gesetzt werden können, vor allem verständlicher. Auch weist der Film einige erhebliche inhaltliche Fehler und Mängel auf: der kuriose Ausstieg aus der Phantomzone, wenn Supergirl im Supergirl-Dress am Ende des Films mit dem Kristall zurück zu Argo-City fliegt (wie kommt sie wieder dahin? wieso hat sie dort Superkräfte und vorher nicht?), der Kampf mit dem Riesenungeheuer wirkt extrem schwach aufgrund vieler Verzerrungen, etc.
Auch hätte eine kleine Einleitung am Anfang des Films vieles glaubwürdiger gemacht. Wie entstand Argo City und wie kam es in den Inner Space und was ist das überhaupt?
Und wenn DANN dieser noch mehr mies gemacht wird indem man rund ein Viertel davon wegnimmt (ca. 30 Minuten von insgesamt ca. 120 Min. wurden in Deutschland gnadenlos weggeschnitten), ist es DANN nicht verständlich das sich der deutsche Filmfan einen Affen freut wenn er diese DVD in den Händen hält???
Nein, darüber ärgern das hier nicht der NOCH längere Director's Cut vorliegt kann ich mich wirklich nicht.
Dafür mußte ich zu viele Jahre allein auf diese Version warten.
Schiebt den Director's Cut irgendwann mal hinterher, das ist auch ok.
Fazit:
SUPERGIRL war seinerzeit fernab vom grossen Erfolg. Die Produzenten versprachen sich vorab wesentlich mehr. Trotz der grandiosen Besetzung (Stars wie Faye Dunaway, Peter O'Toole, Mia Farrow) sowie einer traumhaften Helen Slater (wahrhaft ein SUPER GIRL) blieben die Kinozuschauer zu Haus. Die Gründe warum SUPERGIRL in Deutschland ganz besonders floppte dürften inzwischen klar sein. Inwiefern eventuell andere europäische Länder den Film seinerzeit verunstalteten entzieht sich meiner Kenntnis, doch soweit wie ich weiß gab es diese frühere knappe 90-Min.-Version nur in Deutschland.
Die Kulissen von Argo City waren erstaunlich gut gemacht. Die übrigen Special Effects waren genial (mal abgesehen von dem Kampf mit dem Ungeheuer). Hätte man auf den Quatsch mit diesem 'Inner Space' ('Innerer Weltraum') schlicht und einfach verzichtet und Argo City im offenen Weltraum treiben lassen (ähnlich wie in den 70ern die 'Mondbasis Alpha') hätte der Film mit Sicherheit einiges mehr gebracht. Tja, manchmal ist weniger doch mehr.....
Wer weiß, wäre der Film hier nicht so zerhackstückelt worden, vielleicht wäre er dann zumindest hierzulande ein etwas kommerziellerer Erfolg geworden.
Nun ist er endlich auch in Deutschland in der ungescnittenen Originalversion zu haben, nach mehr als 20 Jahren Wartezeit. Warten wir nun auf den Director's Cut noch mal 20 Jahre etwa.... vielleicht.....