Aus der Amazon.de-Redaktion
Trotzdem die Spielzeit leider nur knapp über eine halbe Stunde beträgt und lediglich 6 Titel enthält, hat es dieser Soundtrack in sich: Die Geschichte seiner Entstehung ist ungefähr genauso abgefahren wie der Film selbst. Unter dem Pseudonym Charming Boys finden sich sechs namhafte englische Produzenten und DJs im Hauptquartier zu London zusammen, einem muffigen ehemaligen Pornokino. Kein Wunder, dass die Beats dreckig und trashig sind und die Geschichte des Films sich um Drogen, Waffen sowie natürlich Frauen (mit so reizenden Namen wie Hot Lips, Candy Backdoor oder Horny Beretta) dreht. Wer glaubt, das Thema Blackxploitation sei längst abgenudelt und zusammen mit 70er Jahre Trash-Kunst in der Versenkung verschwunden, findet hier eine kleine Auferstehung, die jeden x-beliebigen Kleinwagen zum Chromkreuzer mit Hydraulikpumpen mutieren lässt -- zumindest solange
Superchase aus den Boxen dröhnt.
--Ute Springer
INTRO
"Superchase" ist der Soundtrack für einen Film, den es eigentlich gar nicht gibt und auch nie geben wird. Schade, denn auf einen Low-budget-Blaxploitation-Streifen mit schwarzen Cops, die ihre Hemden seit einer Woche nicht mehr gewechselt haben, hätte ich total Lust gehabt. Mehr Lust jedenfalls als auf diesen schnell zusammengeschraubten AcidJazz-Verschnitt, der kaum etwas mit dem "Shaft"-Soundtrack, mit dem er sich übermutig vergleichen will, zu tun hat. Klar, die Beats rumpeln und pumpeln fett dahin, die Samples sind recht geschmackvoll ausgewählt: Streicher, Bläsersätze, Babadabaa-Vocals, Bongos, Wahwah-Gitarren, das klingt alles irgendwie stilecht, zumal es auch mit diversen Filmzitaten gespickt wurde. Doch da waren das James Taylor Quartet irgendwie cooler, Corduroy und die Brand New Heavies viel funkier, My Life With The Thrill Kill Kult perverser, und Isaak Hayes hätte vielleicht milde, aber müde gelächelt. Ich will mal nicht zu harsch urteilen. Es gibt sicherlich ein paar gute Augenblicke, vor allem, wenn ein Sample markant "There's gonna be war, war like you've never seen before" ausspuckt und die Drummachine einem dann das Toupet vom Kopf fegt. Das meiste aber bleibt steril und klingt nach den neu geteerten Straßen von San Francisco, an deren Rand Schilder mit der Aufschrift "Verfolgungsjagden nicht gestattet" aufgestellt sind. Charming but not great.
Stephan Ossenkopp / Intro - Musik & so
mehr unter www.intro.de