Max Breslauer, 36jähriger Sohn eines reichen jüdischen Geschäftsmannes ohne Zeugnisse und Bildung, hatte eigentlich Jura studiert, um sozial Schwachen beistehen zu können. Dann tritt er in das Textilimperium des Vaters ein, dessen Erbe er schließlich wird, als der Vater, der der Hölle des Holocaust entkommen ist, in seinem gepanzerten Mercedes in einem See bei Amsterdam ertrinkt. Er wird - zunächst zu seiner eigenen Überraschung - genauso ein Vollblutkaufmann wie sein Vater. Nach einem für ihn peinlichen Unfall, bei dem er mit seinem Porsche am Schabbesmorgen infolge viel zu hoher Geschwindigkeit einen chassidischen Jungen auf dem Weg zur Synagoge in der Amsterdamer Innenstadt angefahren und diesem ein Bein gebrochen hat, kommt er schließlich zur Besinnung. Mit therapeutischer Hilfe versucht er zu ergründen, was er eigentlich ist, was er vom Leben will, und reflektiert, was überaus unterhaltsam und oft auch amüsant dargestellt wird, seine Kindheit als Nachkomme von Holocaust-Überlebenden, den Verlust von Esther, der Frau seines Lebens, die er ohnmächtig an den orthodoxen Glauben verliert, und den Verlust des jüngeren Bruders Boy, der von einer Geschäftsreise nach Casablanca nicht zurückkehrt, weil er sich in eine marokkanische Jüdin, Tochter einer gläubigen Familie, verliebt. Die ihm am nächsten stehenden Menschen hängen nicht gerade an dem Leben, in dem Max voll aufzugehen scheint.
Erstmals sieht Max seinen Werdegang und sich selbst kritisch, seinen Materialismus, seine offenkundig vom Vater geerbte Unbeherrschtheit und Arroganz gegenüber anderen und stellt fest, was in seinem Leben schiefgelaufen, wie es ihm aus den Händen geglitten ist, um schließlich, geläutert, trotz alledem zu akzeptieren, dass er der Erbe seines Vaters ist, der die Hölle überlebt hat, also so was wie ein Heiliger sein muß.
Das Besondere an dem Buch ist die Leichtigkeit, mit der das alles erzählt wird, immer wieder gespickt mit amüsanten Einfällen. Ganz nebenbei erfährt man eine Menge über den jüdischen Glauben, das Leben von Juden im Allgemeinen und speziell die Probleme von Nachkömmlingen von Holocaust-Überlebenden, für die ihr späterer Reichtum im Grunde selbsr immer ein bißchen unfaßbar bleibt. Allein schon wegen der jüdischen Sprichwörter lohnt es sich, das Buch zu lesen. Den Sprichwortreichtum, die Quintessenz des jüdischen Alltagslebens, die mittlerweile von Max traditionell übernommen wurde und mit Leben erfüllt wird, hatte dem Vater im Arbeitslager ein Mann beigebracht, der schon 1933 das Ende des ostjüdischen Judentums kommen sah.
Aufgrund der intelligenten witzigen undeutschen Auseinandersetzung mit alles andere als leichten Themen - welche Schwere hätten manche Autoren in diese Problematiken wohl hereingebracht - und der wunderbaren Selbstironie ist der durchweg bestens unterhaltende Roman für mich einer der besten der 90er Jahre.