Daß Mick Jagger abseits der Rolling Stones, die sich in ewiger zweifellos erfolgreicher Art stets nur minimal modifiziert reproduzieren, in Neben- und Solo-Projekten gern Sounds und Stile auslotet, die er mit seiner Stamm-Combo niemals umsetzen könnte, hat mittlerweile Tradition. Ebenso traditionell ist inzwischen, daß sich bevorzugt die selben Kritiker, die an den Rolling Stones andauernde Selbstkopie bemängeln und benörgeln, wiederum abwertend über Jaggers Extern-Projekte auslassen. Mal ist es zu poppig oder zu technisch, mal zu dick aufgeblasen, zu experimentell, zu unstrukturiert, dann wieder doch zu glatt und überhaupt zu viel Jagger und zu wenig Stones.
Nun hat er gemeinsam mit Dave Stewart, Joss Stone und dem Marley Spross Damian "Superheavy" am Start. Eine Band, ein Projekt, eine Platte, eine Mixtur, wie sie bunter kaum sein könnte. Was ist das Musik? Reichlich Raggae und blubbernd cooler Rock, viel viel Soul und Blues-Notes. Joss Stone brilliert wie eine Nachtigall und Jagger gibt die zwitschernde Krähe, während ein Gras-verrauchter-Paradiesvogel melodisch seine Kommentare dazwischen plappert. Klingt wirr? Ist es aber nicht, denn wo Dave Stewart mitmischt, entstehen immer und außnahmslos Arragements die kunstvoll harmonisch bleiben. Egal wieviele Zutaten ein Lied bekommt, Meister Stewart rückt alles ins passende Verhältnis.
Also nochmal, was ist das für Musik? Reggae-Rock-Soul-Blues-Pop? Jein. Es ist richtig gute Musik, die man nicht nur hört, sondern erlebt!
Klare Empfehlung für die Deluxe-Version. Vier unverzichtbare Titel mehr und eine wunderschöne optische Aufmachung, machen die Entscheidung leicht.