Der Glaube, dass ihr erstes Buch ein Erfolg werden, sei nicht eben groß gewesen, schreiben die Autoren im Vorwort. Und ebenso offenherzig geben sie zu, dass sich ein zweiter Band schon aus ökonomischen Gründen aufdrängte. Zudem sorgt ihr Bekanntheitsgrad nun dafür, dass ihnen neue Geschichten unaufgefordert zugesandt werden. Mir soll es recht sein. Denn ich verwende schon viele Beispiele aus "Freakonomics", um in meinen Vorträgen zu belegen, dass sich komplexe Systeme nicht steuern lassen. Und ein solches System ist eben auch menschliches Verhalten. Für überzeugte Anhänger des freien Willens und traditionelle Motivationscoaches wird daher auch der Folgeband eine Enttäuschung sein.
Wenn der Leser versteht, welche Anreize dazu führen, dass Lehrer oder Sumo-Ringer pfuschen, dann wird er auch begreifen, wie es zur Hypothekenblase und damit zur Finanzkrise kam. So lautet die Grundthese in der unterhaltsamen Einleitung. Und da die meisten Geschichten dieses Buches von eher exotischen Themen handeln, bleibt der Unterhaltungsfaktor bis zur letzten Seite groß. Einteilen könnte man die wissenschaftlich betrachteten Anekdoten und Storys in zwei Kategorien: "Dinge, die wir immer zu wissen glaubten, aber doch nicht wussten, und solche, die wir nie zu wissen glaubten, aber trotzdem wussten." Und bei der Auswahl achteten die beiden Autoren offenbar auch darauf, Behauptungen aufzustellen, über die sich trefflich streiten lässt.
Da "Anreize" im Zentrum der Betrachtungen sind, beginnt die neue Sammlung mit der Frage "Inwiefern gleicht eine Straßenprostituierte einem Warenhaus-Nikolaus?". Lesern, die das erste Buch von Levitt und Dubner nicht kennen, wird schnell klar, dass Titel und erste Sätze meist nur der Einstieg in verwickelte Fragestellungen sind. Wie kommen die großen Einkommensdifferenzen bei Frauen und Männern zustande? Warum richtet die Polizei ihr Augenmerk vorzugsweise auf die Prostituierten statt auf die Kunden? Warum werden Dealer dämonisiert? Wie kommt man beim Markt für Prostitution zu realen Daten? Was lässt sich durch Fragebögen ermitteln und was nicht? Warum ist die Nacht mit den meisten Kunden nicht zugleich die profitabelste? Welche Formen von Preisdiskriminierungen gibt es im ältesten Gewerbe der Welt? Wie lassen sich Rabatte aushandeln? Sind Zuhälter ihr Geld wert? Bis das Kapitel über die verschiedenen Kosten eines Daseins als Frau auf Seite 91 endet, werden noch zahlreiche andere Fragen gestellt, auf die der Leser mögliche Antworten erhält. Ähnliches erwartet den Leser auch in den Kapitel "Warum sollten Selbstmordattentäter eine Lebensversicherung abschließen?", "Unglaubliche Geschichten über Apathie und Altruismus", "Problemlösungen - einfach und preiswert" und "Was haben Al Gore und der Pinatubo gemeinsam?" Im Epilog "Affen sind auch nur Menschen", fassen die beiden Autoren nochmals zusammen, was die Makro- von den Mikroökonomen unterscheidet, warum unsinnige Fragen wichtig sind und mit welchen Eigenarten des Menschen wir rechnen müssen.
Mein Fazit: Dank dem überraschenden Erfolg von "Freakokonomics" kommen wir nun in den Genuss eines Fortsetzungsbandes. Wer an der ersten Sammlung solcher Geschichten Freude hatte, wird im Register nach Schlagworten Ausschau halten, über die er mehr wissen möchte. Vor allem wenn er Spaß an überraschenden Zusammenhänge hat.