Dem Buch gelingt es, im besten Sinne Appetit auf ein Glas Wein zu machen. Es werden diverse Weine besprochen, d.h. es wird beschrieben, wie sie schmecken. Schon das zu lesen ist ein Genuss. Noch mehr Vergnügen bereitet es, den Wein selbst zu verkosten und dabei zu versuchen, die angesprochenen Geschmacksnuancen herauszuschmecken. Wunderbar anregend sind die vom Autor vorgeschlagenen passenden Gerichte (in Gedanken habe ich schon alle Freunde zum Abendessen eingeladen). Die meisten im Buch angesprochenen Weine sind relativ einfach zu erwerben. Es ist jeweils angegeben, in welchem Supermarkt sie zu kaufen sind.
Leider ist entgegen der Ankündigung kein Wein von Penny enthalten (wobei ich aber zugeben muss, dass die dortige Weinauswahl wirklich nichts taugt). Von Aldi, dem Weingrosshändler fast aller Laien, ist nur eine Flasche Sekt beschrieben (der Aldi-Champagner). Hier soll der Kunde wohl weiterhin das (mir unbekannte) andere Buch vom Autor "Aldi-Vino" kaufen. Zudem kosten die enthaltenen Weine mit durchschnittlich etwa 7 Euro mehr als das, was die meisten für einen normalen Alltagswein auszugeben bereit sind. Überspitzt formuliert: Für das Geld bekomme ich auch im Fachhandel einen anständigen Wein, inklusive Beratung. Dann fehlen aber die Degustationsnotizen, die ja gerade Spaß machen. Zudem zeigt die Erfahrung, dass es sich lohnt, für Wein etwas mehr auszugeben. Außerdem muss man sehen, dass die besprochenen Weine nicht billig sind, sondern günstig. Alle von mir schon probierten Weine aus diesem Buch hatten ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer also ein Buch nach dem Motto "Die billigsten Weine, die schmecken" sucht, wird hier nicht fündig werden.
Anzumerken bleibt noch, dass das Buch einen guten, kleinen Einleitungsteil hat, der mit manchem Irrglauben aufräumt, z.B., dass es sich lohnt, Supermarkt-Wein noch zu lagern. Im Gegenteil: Supermarkt-Wein sollte immer so jung wie möglich getrunken werden. Warum, erfährt man in diesem Buch.
Leider ist das Buch nicht besonders dick, es ist eher ein Büchlein. Zudem ist auf der ganzen rechte Seite jeweils nur das Etikett abgedruckt. Das mag beim Suchen helfen, ist aber doch etwas Platzverschwendung. Es sind gleichwohl so viele Weine besprochen, dass die Ausgabe der verlangten knapp 10 Euro allemal lohnt. Also: Viel Spaß beim Degustieren!