Jeru the Damaja konnte bereits als Feature auf Gangstarr-Alben ("Daily Operation" und "Hard To Earn") in Erscheinung treten, ehe er 1994 sein Debut-Album namens "The Sun Rises In The East" feiern konnte. Dieses 10-Tracks (plus 3 Interludes) und keine 40 Minuten lange Album kann mittlerweile ohne jeglichen Zweifel als Meilenstein in der Hip-Hop-Branche betrachtet werden und ist in jeder Hinsicht schlichtweg großartig. Sowohl Soundkulisse, als auch lyrischer Inhalt, sowie Technik und Flow von Seiten des Hauptinterpreten sind einmalig.
Gangstarr-Hälfte DJ Premier war ausnahmslos für die Produktion zuständig und kreierte ein starkes, musikalisches Gesamtpaket, voller Innovation (man höre die neuartige Wassertropf-Geräusche bei "Come Clean" oder das staubtrockene, dreckige Knistern bei "Statik") und hauptsächlich minimalstisch gestaltete Boom Bap-Kopfnicker-Beats, die einfach aufgebaut, aber deswegen freilich nicht minder genial sind. Es sind die eben diese simplen und gleichzeitig absolut eingehenden Beats, die für DJ Premier stehen und die ihn groß gemacht haben, es sind Produktionen, die schnell ins Ohr gehen, aber, und das tritt selten auf, dort nicht ebenso schnell wieder rausgehen, sondern auch noch heute bewegen; es sind keine typsichen Old-School-Titel, die heute veraltet klingen, wie es oft bei den 80er der Fall ist; man hat es mit zeitloser Musik zu tun. Premier hat unzählige starke Produktionen für allemöglichen Rappern angefertigt, aber wenn wir von komplett von ihm produzierten Alben reden (also inklusive alle Gnagstarr-Werke, Group Home, Blaq Poet etc.), so kann man Jerus Debut ohne Frage als sein Meisterwerk sehen.
Ohne den Beatschmied allein wäre die Scheibe aber auch nur die Hälfte wert. Jeru ist ein fantastischer Rapper, der so ziemlich alles in sich vereint, was ein (fast) perfekter Rapper haben sollte: er hat eine angenehme Stimme und eine eher ruhige Art, weiß jedoch den Hörer mit seinem einmaligen Flow, Rapgeschwindigkeit und Technik mitzureißen und ihn in seinen Bann zu ziehen. Dabei erweist er sich als überaus vielseitig, rappt schnell und aggressiv auf "D Original", eher verhaltend und aufklärend bei "Da Bitchez", unterrichtend bei "You Can't Stop The Prophet"; die Inhalte sind dabei sehr unterschiedlich, Jeru hat in 10 Songs mehr Message der Hip-Hop-Welt mitzugeben, als die meisten anderen Rapper zu dieser Zeit (im Gegensatz zu heute ohnehin). In "You Can't Stop The Prophet" (was für ein Beat!) verkauft sich Jeru als "Black Prophet" (Jeru beansprucht damit anscheinend eine Position im Rap-Geschäft, die höher anzusiedeln ist, als die "Teacher-Figur" von BDP-Frontrapper KRS-One), um gegen den von Hass, Eifersucht und Neid zerfressenen Mr. Ignorance zu kämpfen, "Da Bitchez" ist stark, weil es eine etwas andere, wesentlich positivere Sichtweise der Frau von Rappern darstellt, als man sie von überwiegend der Westküste kennengelernt hat. Auch "Ain't The Devil Happy" beeindruckt inhaltlich wie soundtechnisch auf ganzer Linie.
Das Zusammenspiel zwischen Jeru und Premiers Produktionen funktioniert einwandfrei, Jeru vermag es, sich perfekt den einzelnen Beats anzupassen, fast schon, als würde das Rappen ins Singen übergehen, und macht dem Inbegriff der Lyrik (also der gesungenen Sprache) alle Ehre, bestes Beispiel dürfte "Jungle Music" sein, für mich persönlich der heimliche Höhepunkt der CD; bei all der starken Konkurrenz, kein anderer Titel verdeutlicht Jerus geniale Fähigkeiten und Talent so wie dieser Song, die teils metaphorischen Verse gleiten makellos über den, wie immer minimalistischen, bewegenden Beat. Ich will jetz aber auch ein bisschen meine Euphorie (die ich wohl nicht verheimlichen konnte) ewas runterschrauben und nicht verschweigen, dass dieses Album genau meinen Geschmack trifft und diesbezüglich jeder andere Hip-Hop-Hörer eventuell anders urteilen würde; nichtsdestotrotz braucht sich "The Sun Rises In The East" vor keinem anderen Rap-Klassiker verstecken und kann zweifelsohne mit Alben wie "Ready To Die" oder "Illmatic" qualitativ verglichen werden.