Wenn man sich einmal an diesen Gurt gewöhnt hat, fragt man sich unwillkürlich: wieso musste die Fotografie erst über 180 lang erfunden sein, bevor jemand auch einen brauchbaren Kameragurt entwickelt? Das Prinzip des sunsniper wird ja sehr schön auf den Videos der Firma sunbounce demonstriert. Der Witz bei diesem Gurt besteht darin, dass die Kamera nicht fest mit dem Gurt verbunden ist, sondern über einen Karabinerhaken frei an dem Gurt entlanggleiten kann. In der Praxis bedeutet das, man kann die Kamera seitlich - am besten sogar über dem Po - hängen lassen und sie so leicht greifen, als hinge sie vor dem Bauch. Das klingt für jemanden, der keine schwere Kamera hat oder sie nicht viel benutzt sehr theoretisch, bietet aber einen riesigen Vorteil. Bei längeren Shootings hatte ich immer Rückenschmerzen, weil ich die Kamera um den Nacken hängen lassen musste, wenn ich sie schnell benutzen wollte. Jetzt hängt sie rückenschonend immer hinten und wird nur hervorgeholt, wenn ich wirklich eine Aufnahme machen möchte. Meinen Rücken hat das spürbar entlastet und der Gurt ist aus diesem Grund absolut Gold wert.
Der sunsniper ist für schwere Kameras konzipiert und auch bei einer 5Kilo-Belastung hatte ich auch nach vielen Stunden Dauereinsatz nie einen Gedanken daran verschwendet, dass der Gurt damit überstrapaziert sein könnte. Ein sehr wirkungsvolles Schulterpolster und der sog. "Shockabsorber" machen das Tragen sehr bequem.
Wirkliche Probleme gibt es nicht, aber sagen wir 1,5 Schwächen: erstens verrutscht das Schulterpolster ständig, was auf Dauer nervt. Zweitens habe ich mich bei einem derart hochpreisigen Produkt ein bisschen darüber geärgert, dass es zu diesem Preis nicht in Deutschland produziert werden kann, sondern aus China kommen muss. Eine objektive Schwäche ist das aber nicht, denn an der Qualität gibt es für mein Empfinden nichts auszusetzen.
Edit
zu den "1,5 Schwächen" hat sich bei mir eine gravierende neue eingestellt: der sniper löst sich trotz ständiger und gewissenhafter Kontrolle der Befestigungsschraube vollständig - wenn man Pech hat. Mir ist eine Kameraausrüstung auf den Boden gefallen, und das obwohl ich den Hinweisen des Herstellers, regelmäßig den korrekten Sitz der Schraube zu prüfen, gewissenhaft - um nicht zu sagen "zwanghaft" - nachgekommen bin. Natürlich hätte ich in den Sekunden vor dem Sturz noch mal den Sitz prüfen können, aber eine Kontrolle im Minutentakt ist nicht zumutbar.
Ich muss diesem an sich sehr angenehmen Gurt daher leider das Zeugnis ausstellen, dass er eine ernste Gefahr für jede Kameraausrüstung darstellt und daher ein absolutes No-Go ist. Es gibt auch für Befestigungen über das Stativgewinde festere Halterungen, mit denen ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe.
In meinem Fall war die Ausrüstung versichert, gerade bei vielen Amateuren lohnt sich eine Kameraversicherung aber nicht, so dass ein Sturz der Kamera noch viel ärgerlicher ist.
Edit 2
Das Problem der lösenden Schraube habe ich mittlerweile dadurch gelöst, dass ich die Schraube des sun sniper durch die Bodenplatte des spiderholster und dem D-ring (ebenfalls über spider holster zu beziehen) ersetzt habe. Über den Ring kann man den sunsniper direkt an die Bodenplatte hängen und hat eine - soweit ich sehe - bombenfeste Verbindung. Nebenbei erhöht die Bodenplatte auch noch den Komfort des sun sniper: Erstens liegt sie flacher an der Kamera und drückt bei Hochformataufnahmen nicht in die Hand. Zweitens bringt sie ein eigenes Stativgewinde mit und muss für Aufnahmen mit Stativ nicht extra abgeschraubt werden, was beim sun sniper ja bisher nötig war.
Die ersten Einsätze hat die Kombination absolut tadellos, d.h. ohne Wackeln oder Nachziehen überstanden. Die Bodenplatte benutze ich schon seit längerer Zeit in der Verbindung mit dem spiderholster und habe einen sehr guten Eindruck von der Festigkeit gewonnen. Ich übernehme natürlich keine Garantie für diesen Tipp, falls jemand damit doch Probleme haben sollte, aber ich bin mit dieser sehr sicheren und komfortablen Lösung sehr zufrieden.