Mit diesem Roman werden sich vor allem Dresdner wohl fühlen, denn er handelt dort und der
räumliche Bezug wird oft hergestellt. Viel wichtiger jedoch die Geschichte, die auch in der Realität
eng mit dieser Stadt verbunden ist. Der Autor wagt es eine Thematik aufzuarbeiten, die Dresden
jedes Jahr aufs neue beschäftigt. Eingebettet ein eine mehrere Generationen umfassende
Familiengeschichte, wird ein Verbrechen aufgeklärt, welches, soviel kann man wohl vorweg sagen,
Rache als Motiv aufweist. Das ganze ist spannend und aus der Perspektive eines Studenten
geschrieben, dessen Schilderungen seines Alltages, die eigentliche Geschichte immer wieder
auflockern.
Marc Drobot schafft es in seinem ersten Roman kalt und brutal von Ereignissen zu berichten, die
die deutsche Geschichte prägten und auch in der Gegenwart vorzufinden sind. Es geht um Hass,
aber auch um Liebe. Nichts von beidem kommt zu kurz. Es wird sowohl Geschichte aufgearbeitet,
als auch gegenwärtige Probleme geschildert. So faszinierte mich die Beschreibung der Spannungen
sexueller Art zwischen dem Hauptcharakter und seiner Mitbewohnerin, aber auch die fesselnde
Schilderung vergangener Graueltaten.
Auch ein bisschen Selbstironie taucht in dem Buch auf.
Alles in allem sehr empfehlenswert, jedoch nur für hart gesottene, in dem Buch gibt es ein Paar
Passagen, die bei einigen Menschen Ekel erregen könnten, jedoch notwendig sind um eine
authentische Erzählung aufzubauen. Entfernt vergleichbar mit Patrick Süßkinds 'Das Parfüm', in
dem an manchen Stellen ebenso detailreich von Dingen berichtet wird, deren Schilderung sicher
viel Überwindung kostet, da sie doch sehr unter die Haut gehen.
Ich habe das Buch an einem Wochenende verschlungen und war begeistert, schade nur, dass es so
kurz ist. An manchen Stellen hätte ich mir noch ein paar mehr Informationen und Überleitungen
gewünscht.