Jazzthing (06/99)
Seit etwa einem halben Jahrhundert gilt O.P. als das spieltechnische Nonplusultra des Jazz-Pianos. Plattenfirmen wie Verve und Pablo ist es bereits gelungen, dieses fingerakrobatische Swing-Wunder fürs kommende Jahrtausend in reichem Maß zu dokumentieren, aber das Label Telarc will da nicht zurückstehen: Der Konzertmitschnitt aus München ist schätzungsweise die siebente Peterson-CD seit der gesundheitlich bedingten Unterbrechung von 1993. Damals sah es so aus, als könnte O.P. nie mehr mit voller Autorität die Tasten drücken, doch stattdessen hat er sich einfach in einen anderen Pianisten verwandelt: Er spielt heute weniger Noten, komponiert dafür mehr Stücke, und möglicherweise drängt der erzwungene Altersstil ihn dazu, als Pianist mehr auf den Punkt zu kommen. Daß diese CD in der ausufernden Peterson-Diskographie einmal einen besonderen Fensterplatz beanspruchen darf, ist also nicht völlig ausgeschlossen. Time will tell.
© Jazzthing - Hans-Jürgen Schaal