Gute Musik, so habe ich die Erfahrung gemacht, darf - überspitzt betrachtet - nicht bereits beim ersten Hören verstanden werden - sonst ist sie - zumindest meistens - zu einfach, ein Ohrwurm vielleicht sogar, und doch nur vom Wert eines Strohfeuers. Summer in Nagasaki hingegen ist ein Werk, das durchgearbeitet und verstanden werden will - und dann offenbart es Dramatik, Tiefgründigkeit und - trotz des dramatischen geschichtlichen Hintergrunds - atemberaubende Schönheit. Tatsächlich begann ich erst nach mehrmaligem, sich über einige Wochen hinziehenden konzentrierten Hörens diese Eigenschaften herauszuhören - und jedes neue Hören offenbart neue Geheimnisse (offenkundig ein Vorteil elektronischer Musik, den ich früher nicht wahrhaben wollte: in fachkundiger Hand erzeugen diese "Instrumente" einen tonalen und klanglichen Reichtum, den "echte" Instrumente naturgegeben nicht haben können)
Offenbar hat Edgar Froese recht, wenn er in einem Interview - durchaus bescheiden - anmerkte, diese CD sei "genial" - jedenfalls stimme ich ihm zu. Summer in Nagasaki verleitet den einen oder anderen sicher auch dazu, sich mit dem menschenverachtenden Akt der damaligen zwei Atombombenabwürfe auseinanderzusetzen - ein sicher wertvoller Aspekt. Dieses musikalische Meisterwerk ist überdies ein gutes Beispiel für Programmmusik, die in der Phantasie des Hörers Bilder und Eindrücke entstehen lässt.
Fazit: eine aussergewöhnliche CD, sehr anspruchsvoll und perfekt umgesetzt!