Gunnar Heinsohn spricht ein Problem an, auf dass ich selbst schon aufmerksam wurde, es aber, weil es so komplex ist, nie intensiv weiter verfolgt, bzw. zu Ende gedacht habe. Im Grunde steh ich auf seiner Seite, was diesen geschichtschronologischen Zirkelschluss auf Basis eines vergessen Abrahamfundaments betrifft. Allerdings, ich als Christ stelle die Bibel nicht in Frage, und das muss man ja auch nicht, wie er selbst zumindest teilweise zugibt. Was mich extrem stört an diesem Buch, bzw. mich an der Person Gunnar Heinsohn wundert, dass er die Bibel mit der Grundlage der historisch kritischen Methode beurteilt bzw. von ihr beeinflusst ist, scheinbar ohne sich mit dieser Methodik im Detail befasst zu haben. Sonst wüsste er nämlich, dass dieser Wissenschaftszweig, bzw. deren Kritikgebäude betreffs des AT selbst auf diesem Fundament erbaut ist, das er in Frage stellt.
Ich würde mich freuen, wenn Gunnar Heinsohn für seine zukünftigen Arbeiten den selben Scharfsinn gegenüber der Bibelkritik walten lässt, mit dem er auch an die Geschichte und Archäologie der Antike heran geht.
Dieses Buch halte ich trotzdem für uneingeschränkt empfehlenswert. Vielleicht nicht grade für Anfänger, weil diese vielleicht etwas überfordert wären und das meiste einfach so hinnehmen. Andererseits ist das Buch extrem gut geschrieben und leicht und schnell zu lesen. Teilweise ist es im Stil populärwissenschaftlicher Literatur, obwohl ich diesem Buch gewiss nicht den Stempel "Populärwissenschaftlich" aufdrücken möchte.
Wie mein Vorschreiber und auch Gunnar Heinsohn selbst sagt, wird die Zeit zeigen, welche Chronologie in Zukunft akzeptiert wird. Eines ist klar, sie war immer Veränderungen unterworfen und wird dies auch weiterhin sein, und jede Generation hatte sich gegen Veränderungen gestreubt, die nach ihrem Aussterben trotzdem eintraten.