Sieben vierteilige Klaviersuiten aus dem sehr umfangreichen Opus von Georg Friedrich Händel hat Keith Jarrett im Herbst 1993 in Purchase, NY, eingespielt. Auch wenn die Jarrett-Ohren eher auf jazzige Linien, wild-expressive, manchmal atonal wirkende Passagen oder auch auf sanfte, weiche, lyrische Klänge "geeicht" sind und man sich nachgerade an sein Mitsummen oder Mitjaulen gewöhnt hat, kann man seiner eher strengen, werkgetreuen Interpretation von barocken Klaviersuiten durchaus etwas abgewinnen. Ob das an Jarretts Spiel oder nicht doch schlicht an den wunderschönen Werken von Händel liegt, die für diese CD ausgesucht wurden, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls lassen sich diese Stücke allesamt sehr angenehm hören, streicheln die müde Seele und dringen in Herz und Geist, ohne belanglos oder langweilig zu wirken. Die Suiten von Händel - teils für das Cembalo komponiert, aber glücklicherweise von Jarrett auf dem Klavier eingespielt - passen meiner Ansicht nach besser zu Jarretts Stil als etwa die Präludien und Fugen von Schostakowitsch (op.87). Vereinzelt hat man auch das Gefühl, das eine oder andere Motiv schon einmal in einem seiner Solo-Live-Konzerte gehört zu haben.
An die eigenen, in freier Improvisation entstandenen Werke von Jarrett, vor allem an die Langstücke, reicht diese Musik indes nicht heran. Händel ist Händel und Jarrett ist Jarrett.