Nach dem schon zweiten Abgang ihres Sängers nach jeweils 16 Jahren, Hugh Cornwell und Paul Roberts, sind die Stranglers seit Mai 2006 wieder in vierer Besetzung und erleben nach eigenen Aussagen eine schöpferische Hochphase. Bassist JJ Burnel hat in Baz Warne (Gitarre) das lang ersehnte kreative Songwriter-Pendant gefunden, das ihm durch Cornwells Abgang 1990 abhanden gekommen war. So haben die beiden nun auch die Rolle des Leadgesangs übernommen. Stimmlich passt sich Warne besser in den Sound ein als vor ihm Roberts und mit dem wieder singenden Burnel befinden wir uns bei einigen Tracks auf Suite XVI gar qualitativ im goldenen Zeitalter der Band Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre. Dave Greenfields flinke Keyboard Akrobatik, Jet Blacks heftiges Drumming (mit 68 ! der älteste Rocker im biz), Burnels puschende Basslines, Warns quirlige, schneidende Gitarre sind auf Suite XVI hochgeschraubt. Das 16. Studiowerk klingt freilich wie kein Album der Band zuvor, eines der Markenzeichen der britischen Musikinstitution. Der schnelle, teilweise unglaublich dicht verwobenene Sound zieht sich wie eine kompakte, manchmal fast schmerzhaft melodiöse Emulsion durch die Gehörgänge, oft so focusiert, dass das Spiel öfters wiederholt werden muss, um die vielen Nuancen und Schattierungen der Musik wirklich wahrnehmen zu können. Erfreuliche Kreativitätsschübe sind überraschende Stil- und Rhythmuswechsel, beispielsweise nach zweieinhalb Minuten im Opener Unbroken, die Schlusssequenzen von See Me Coming oder der Mittelpart von Summat Outanwt. Das Album hat praktisch keine Aussetzer, als Highlights herausgegriffen seien das langsamere, gitarreske Bless You (Save You, Pare You, Damn You), irgendwie ein Enkelkind des Stranglers-Hits Golden Brown aus 1981, ohne es nur annähernd vergleichen zu können, das monumentale und furiose Relentless mit seinem Westernfeeling, oder Popperlen wie Barbara (Shangria-La) oder Shes Slipping Away potentielle künftige Singleauskopplungen. Nicht unerwähnt bleiben soll I Hate You, ein Spaßsong in bester Johnny Cash Manier (ja, JJ Burnels musikalische Hommage an den Altmeister und gar textliche Anspielung an Cornwell?), der sogar ein Highlight auf Cashs famosen American Recordings gewesen wäre. Das britische Musikchamäleon hat zwar mehr Falten am Körper als so manche junge gehypte Wundertruppe, braucht sich aber beim musikalischen Outing noch lange nicht verstecken - also mehr eine Frage des Bemerkens und des persönlichen Geschmacks, nicht aber der objektiven Qualität.