Sollte jemand den Wunsch erfassen, sich erstmals mit Hegel zu befassen, dann kann ich nur zu diesem Buch raten. Hegel, der normalerweise an der Grenze zur totalen Unverständlichkeit philosophiert, schreibt hier klar, mitunter sogar fesselnd.
Natürlich begegnet er uns nicht als Historiker, sondern als Philosoph. Jedes Ereignis, jede Epoche der Weltgeschichte erscheint nicht als kontingentes Faktum, sondern als notwendige Bedeutung.
Interessant und aufschlussreich war fuer mich das umfangreiche Einfuehrungskapitel, wo er alle Weltgegenden abqualifizierte, die nicht zur Bewegung des Weltgeistes passen: das vorkolumbische Amerika, Südamerika, Afrika. Insbesondere die aufstrebenden Vereinigten Staaten brachten den Philosophen in eine Verlegenheit, der sich schon Ortega y Gasset gewidmet hatte. Kurzerhand verweigerte Hegel der USA einen Platz in der Weltgeschichte und ordnete sie der Zukunft zu. Gibt es im Denken des gewaltigen und gewaltsamen Systemdenkers eine offene Stelle?