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Und genau darum ist es so überzeugend. Wir schließen hier nicht nur Bekanntschaft mit dem durch und durch verbitterten Maler Strauch, sondern begegnen vor allem einem ungeschminkten Thomas Bernhard.
Gerade weil "Frost" noch weit entfernt ist von dem eher humoristisch geprägten Stilmanierismus späterer Werke, trifft die zelebrierte Weltverachtung den Leser mit ungebremster Wucht.
Die Finsternis mit Finsternis abtöten, wie der Maler Strauch es nennt -- ein heilloses Unterfangen, dem Bernhard sich in "Frost" hingibt, wie kaum jemals wieder. Das zaubert dem Leser kein Schmunzeln ins Gesicht, sondern schnürt ihm buchstäblich die Kehle zu. Hier wird Literatur zum Sturz in den Abgrund des Wirklichen. Was könnte man Besseres über ein Buch sagen?
Doch gegen wen oder was richtet sich diese Wut, diese Ausweglosigkeit, dieses Trostlose? Wenn in „Holzfällen" die Kulturszene an sich und speziell die österreichische angegriffen wird, und in „Auslöschung" Österreich als Ganzes, der Katholizismus und der Nationalsozialismus, so richten sich in „Frost" Bernhards Aggressionen gegen die Welt, gegen das Leben an sich. Er benutzt Worte wie Ekel und Erregung wieder und wieder. So schreibt ein Mensch, der am Leben, an seinen Mitmenschen, an der Welt als Ganzem keine Freude findet, keine Lichtblicke sieht, keine Hoffnungen entdeckt. So schreibt ein Mensch, der am eigenen Leben nicht hängt.
„Frost" hat bereits eine ungeheure sprachliche Kraft, die sich weitestgehend in der Schilderung respektive der Wiedergabe der ausgesprochenen Gedanken des beobachteten Malers Strauch, aber auch, zum kleineren Teil, der Gedanken des Ich-Erzählers erschöpft. Die Figuren in diesem Roman sind, abgesehen vom Maler Strauch und seinem Bruder, dem Assistenten Strauch, dem nicht auftretenden Auftraggeber des Erzählers, namenlos. Die Wirtin, der Wasenmeister, der Ingenieur, der Holzzieher, der Polizist, der Briefträger: Namen bekommen Bernhards Figuren nicht. Folge ist, dass sie einem fern, fremd bleiben. Man nimmt nicht Anteil an ihrem Sein, an ihrem Schicksal, man bleibt auf Distanz. Das ist von Thomas Bernhard gewollt. Er möchte seinen Groll, seine Entrüstung in den Mittelpunkt stellen, nicht irgendwelche beliebigen Figuren.
Bernhard prägt bereits in „Frost" seinen ihn berühmt machenden Stil, diese sich im Kreis drehende, sich wiederholende Prosa. Dieser Roman ist etwas für geübte Bernhard-Leser, für den Einstieg sollte man beispielsweise „Holzfällen" wählen. Allerdings sei eines gesagt: Ein leichtes Bernhard-Werk gibt es nicht.
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