Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Programmatik der Reproduktion, 28. Februar 2003
Schon der Titel sagt einiges über den Inhalt. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Was verändert sich, wenn ein Kunstwerk plötzlich technisch reproduzierbar wird? Was bedeutet es, wenn durch die technische Reproduktion die Frage nach dem "echten" und "einzigartigen" Original hinfällig wird, wie es beispielsweise bei der Fotografie oder dem Film der Fall ist. Was bedeutet die technische Reproduktion für die Kunstwerke, die im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit dennoch den Anspruch auf Originalität erheben? Auf Fragen wie diese geht Walter Benjamin in seinem Buch ein. Denn durch die technische Reproduzierbarkeit würde die "Aura" des orginalen Kunstwerkes fallen. Dazu ist vielleicht kritisch anzumerken, daß sich in der Kunst des 20. Jahrhunderts die "Aura" in der Reproduktion konstituieren kann, so wie es beispielsweise in den fabrizierten Kunstwerken von Andy Warhol der Fall ist. Trotzdem handelt es sich um ein Standardwerk, unverzichtbar für das Verständnis der Kunst im 20. Jahrhundert.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Welchen Status hat Kunst? Dauernd aktuelle Frage., 14. September 1999
Von Ein Kunde
Enthält ebenfalls die „Kleine Geschichte der Photographie", die es vor dem „Kunstwerk" zu lesen sich empfiehlt. Zum einen, weil sie fünf Jahre vorher veröffentlicht wurde (1931), zum anderen, weil der Film technisch im Grunde auf die Photographie aufbaut. Er spricht auch dort bereits von der „Aura" des Kunstwerkes, worauf er im „Kunstwerk" genauer eingeht. Inhalt: Seine Überlegung ist, daß die Reproduktion von Kunstwerken eine eigene Kunstform ist, die sich mit der Entstehung von Photographie und Film ausprägen und eine Wirkung auf die herkömmliche Kunst ausstrahlen. Nicht reproduzierbare Kunstwerke seien einmalig und dauerhaft, damit auratisch, und dienen der Kontemplation. Reproduzierbare Kunstwerke seien hingegen wiederholbar und flüchtig, somit nicht auratisch, und dienen der Zerstreuung. In dieser filmwissenschaftlichen Schrift versucht Benjamin die Veränderung der Kunst durch die neue Kunstform Film einzukreisen und deren eigenen Status zu beschreiben. Er greift dabei auf andere Autoren wie Brecht zurück und schlägt schließlich gar den Bogen zwischen Bedeutung des Films und dessen Verwendung im Nationalsozialismus und im Kommunismus. Geltung: Die Frage nach dem Status der Kunst war nicht nur 1936 aktuell - und auch schon zuvor, als Expressionismus (als künstlerische Gestaltung), Realismus (als naturgetreue Wiedergabe) und Hollywood (als reiner Kommerz) sich gegenüber standen -, sondern war es in den Jahren danach und ist es auch heute noch. Noch immer stehen sich Kunst und Kommerz gegenüber oder fließen untrennbar ineinander. Benjamins Überlegungen zur Kunst sind sehr abstrakt, aber heute so zutreffend wie zur Zeit ihrer Entstehung, obwohl über 60 Jahre Entwicklung dazwischen liegen, was die Lektüre mitunter vergessen läßt, weil bei dem weitsichtigen und sehr sorgfältig arbeitenden Benjamin bereits Begriffe wie „Virtualität" auftauchen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Aura vs. Convenience , 9. Februar 2007
"Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt. Das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr. Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt". Soweit Ludwig Wittgenstein im Tractatus zum Verhältnis Bild und Realität. Und weiter: "In Bild und Abgebildeten muss etwas identisch sein."
Grundsätzlich, sagt Benjamin, ist das Kunstwerk immer reproduzierbar gewesen. Alles vom Menschen gemachte konnte und kann von Menschen nachgemacht werden. Die technische Reproduzierbarkeit jedoch ist etwas Neues. Über Guss und Prägung, vom Holzschnitt der Graphik zum Druck der Schrift, vom Kopierer zum Scanner zum Brenner. Paul Valery hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gemutmaßt, dass wir mit Bildern und Tonfolgen versehen werden wie mit Wasser, Gas und Strom. Auf ein Zeichen werden sie sich einstellen, kommen und uns wieder verlassen. Welch ein Weitblick, weit in das Jahr des Internets, der Zeichen von "@ und www".
Und doch fehlt etwas, auch wenn die Reproduktion höchstvollendend ist: "das Hier und Jetzt des Kunstwerks - sein einmaliges Dasein an dem Ort, wo es sich befindet." Diese Aura, diese wirkliche Echtheit ist nicht zu reproduzieren, das Einmalige entfällt und damit der Wert, die Wertschätzung. Es ist ein Gefühl, nicht einer Zuwendung mit Bedacht, sondern ein Wissen um Wiederholung und Wiederbeschaffung. Und diese Haltung gegenüber dem Einmaligen, der Aura schwindet zu Gunsten einer Massensicht mit Reproduzierbarkeit. Jedoch: Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff des Tradierten, sie berichtet von der Dauer und enthält eine "geschichtliche Zeugenschaft." Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit lässt eben genau diese Aura verkümmern. Eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert verschließt sich der Erinnerung und noch neuen Werten, ihr Ziel scheint Convenience zu sein.
Der Verfall dieser Aura beruht auf zwei Umständen, die beide mit dem Phänomen der Massen im heutigen Leben zusammenhängen: einmal: das Anliegen, die Dinge räumlich und menschlich (Einebnung der gesellschaftlichen, bildungsrelevanten Unterschiede) näherzubringen und zweites gelingt dieses durch die Überwindung des Einmaligen durch die Aufnahme von deren Reproduktion. Das Bedürfnis, die Dinge im Bild, im Abbild habhaft zu werden, ist ungebrochen. Mit der Konsequenz, das "Dauer und Einmaligkeit ersetzt werden durch Flüchtigkeit und Wiederholung." Die Folge ist, dass der Mensch sich nicht mehr zu einem Kunstwerk bewegt, sondern dieses zu ihm als Abbild. Der Mensch lässt sich vereinsamen, allerdings organisiert, wie Hanna Arendt es mal formulierte. Sind Bilder aus der technischen Reproduzierbarkeit allzeit und für jedermann vorhanden, so kann man nach Hobbes folgern, dass dieser Fortschritt Feindschaft gebären muss, da die Unterscheidbarkeit aufgehoben wird in der Gleichheit der Fähigkeiten und der Gleichheit der Hoffnungen. (vgl. Sloterdijk, 2000: Die Verachtung der Massen).
Feindschaft wird in der letzten Stufe Krieg bedeuten können, der dann jedoch in der Ästhetik der Schlacht vorgedacht wurde in der immer besseren technischen Reproduzierbarkeit von Abbildern der Kriegsgeschichten am PC. Der Mensch hat durch den Verlust des Einmaligen die Aura desselben nicht kennengelernt, er identifiziert sich mit der Wiederholung und mit den Scheinwelten, die eo ipso ohne Wert sind. Dieser fehlende Wert definiert den Menschen, der dann seinen Spiegelneuronen das Feld überlässt, auf der Suche nach eigenen erhofften Werten.
Benjamins kurzes Essay wurde im Jahre 1936 veröffentlicht. Es ist ein Meilenstein in der Kunstgeschichte und gehört mit zum Inhalt seiner Aufsätze: Illuminationen. Es verbindet Ästhetik der Kunst mit der Philosophie des Lebens. Andre Breton sagte: "Das Kunstwerk hat Wert nur insofern als es von Reflexen der Zukunft durchzittert wird." Dieses ist deutlich aus dem Essay Benjamins zu hören. Zu den zitternden Reflexen gehört auch das bewegte Bild als Film, in der Kombination Bild und Bildung: "Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt", konstatierte Georges Duhamel bereits 1930. (s. a.: Menasse, 2006: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung)
Denken Sie an den 11.September. Sie werden spüren, was gemeint ist. Das Bild: ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt.
Ein, wenn man sich öffnet, nachdenklich machendes, nicht nur die Kunst betreffendes Werk des W.B.
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