Stephan Lahrem - Che Guevara
Che Guevara gehört heute wahrscheinlich zu den berühmtesten Menschen aller Zeiten. Seine Bekanntheit beschränkt sich dabei allerdings bei den meisten auf das berühmte Portrait-Foto von Alberto Korda, dass auch das Cover dieses Buches ziert, und das Wissen, dass er irgendwie an der kubanischen Revolution Fidel Kastros beteiligt war.
Eine berechtigte Frage ist also, woher dieser enorm hohe Bekanntheitsgrad kommt. Stephan Lahrem geht in seinem Buch dieser Frage auf den Grund. Wie wurde Che zu der Ikone, die er heute ist, und wie viel ist nur Mythos?
Der Untertitel des Buches gibt die Gliederung Preis: "Leben - Werk - Wirkung".
Es beginnt mit Che Guevaras Leben, dass mit den wichtigsten Stationen, Personen und Ereignissen auf gut 50 Seiten nacherzählt wird. (Kindheit & Jugend - Lehr- & Wanderjahre - kubanische Revolution - kubanischer Minister - Bolivianischer Dschungel)
Im zweiten Teil, dem Werk, geht Stephan Lahrem zunächst auf die Tagebücher von Guevara ein, und widmet sich dann auch seinem Dasein als Politiker. Dieser Teil umfasst die nächsten gut 30 Seiten.
Im Teil über seine Wirkung, der knapp 45 Seiten in Anspruch nimmt, geht der Autor schließlich genauer auf den Mythos um Che Guevara ein.
Stephan Lahrem gelingt es sehr gut zu erklären, wie Che Guevara posthum zu der weltberühmten Ikone werden konnte, die er heute ist. Er zeigt, wie Regierungen (z.B. Kuba, DDR...) das Bild, dass ihre jeweilige Bevölkerung von ihm haben sollten, mitbestimmt und geprägt haben, warum er eine der wichtigsten Identifikationsfiguren der Protest- und Friedensbewegung werden konnte, obgleich er selbst den bewaffneten Kampf glorifizierte, und wie es möglich ist, dass verschiedene politische Gruppierungen sich auf ihn berufen, die politisch teilweise in vollkommen entgegen gesetzte Richtungen gehen wie Guevara selbst.
Als Kern des "Mythos Che" sieht Stephan Lahrem die totale Verschmelzung von revolutionärer Theorie und Praxis, wie es sie bei fast keinem anderern jemals gab. Doch darin sieht er gleichzeitig auch die größte Tragik Che Guevaras.
Che Guevara wird heute in Büchern, Filmen, Bildern und Dokumentationen glorifiziert und verehrt. Für Kritik und Aufklärungsarbeit ist da wenig Platz. Daher ist ein Buch wie dieses umso wichtiger. Dabei ist es auch elementar, dass es Lahrem gelingt, den Menschen hinter der Ikone zu zeigen, ohne Che Guevara schlecht zu reden oder herabzusetzen. Es geht ihm nicht darum Che Guevaras Bild zu demontieren, sondern darum zu zeigen, dass er trotz allem eben doch auch "nur ein Mensch" war.