Ein schmales Büchlein voll mit gut aufbereiteten Information zu den Themen Lernen, Gedächtnis, Suggestopädie, Superlearning und menschliche Informationsverarbeitung!
Bereits 1988 hat der Autor Walter Edelmann dieses schmale, aber prallgefüllte Buch zum Thema Suggestopädie und Superlearning" erstmals vorgelegt und noch immer ist es ein spannendes und aktuelles Werk zum Thema. Der Autor setzt sich auf der Basis hirnbiologischer Grundlagen des Lernens, des Gedächtnisses und menschlicher Informationsverarbeitung differenziert mit den suggestopädischen Lehrverfahren auseinander und wertet empirische Befunde zu den behaupteten Lernerfolgen systematisch aus. Trotz der offensichtlich tiefen theoretischen Beschäftigung des Autors mit den Themen ist die Aufbereitung des Buches äußerst lesenswert, verständlich und informativ.
So startet der Autor mit einem gut aufbereiteten Kapitel über hirnbiologische Aspekte von Lernen und Gedächtnis, in dem Aufbau und Funktionsweise des Gehirns unter den spezifischen Anforderungen des Lernens und des Gedächtnisses dargestellt werden. Hier stellt Edelmann aufschlussreiche Experimente von Sperry zu den Leistungen der beiden Hemisphären des Gehirns dar, um deren unterschiedliche spezifische Leistungen zu belegen.
Das zweite Kapitel widmet sich der Suggestopädie und den unterschiedlichen Spielarten suggestopädischer Lehrverfahren. Nach einem kurzen Abriss zur Geschichte der Suggestopädie stellt Edelmann die Methode Lozanovs und die von ihm propagierten Erfolge bei der Anwendung suggestopädischer Lehrverfahren vor. Edelmann weist korrekt auf die Punkte in Lozanovs Werken hin, welche nicht nachvollziehbar oder wissenschaftlich belegt sind. Mit der Weiterentwicklung der Suggestopädie im Westen - zum Beispiel dem Superlearning (Ostrander/Schroeder) oder ACT (Wissenserwerb durch kreatives Lernen nach Dhority) - setzt Edelmann seine eingehende Darstellung der Lehrverfahren fort, jeweils beschrieben durch die Herkunft und die Besonderheiten dieser Adaptionen. In der darauf folgenden Beschreibung einer von Edelmann selbst eingesetzten suggestopädischen Unterrichtssequenz wird die tiefe Auseinandersetzung des Autors mit dem Thema deutlich. Ausführlich werden empirische Daten über Effizienz, Behaltensleistung, Intensität des Lernens und Akzeptanz des Verfahrens dargelegt.
Abschließend kommt Edelmann zu dem Schluss, dass nicht alle von Lozanov propagierten Erfolge der Suggestopädie nachweisbar sind. Dennoch wird der Nachweis erbracht, dass viele Teilnehmer die insgesamt entspannte Atmosphäre und das nahezu mühelose Lernen hoch schätzen und die Methode nahezu uneingeschränkt akzeptiert wird.
Edelmann schließt dieses zweite Kapitel mit seiner Einschätzung ab, dass die Suggestopädie vor allem in der Betonung bestimmter Lehr-Lernprinzipien ihren Beitrag zur geänderten Auffassung von Lernen leistet.
Im dritten Kapitel widmet sich der Autor den Prozessen der menschlichen Informationsverarbeitung und den Fragen, wie die Suggestopädie das ganzheitliche Lernen durch konkrete Maßnahmen wie Lernkonzerte, Suggestion oder Entspannung optimieren will. Dabei werden von Edelmann in verständlicher Art und Weise bekannte und weniger bekannte Aspekte von Lernen und Gedächtnis, Gedächtnistheorien, Kognitionen und Emotionen, Motivation, Handlungstheorien, Problemlösen, parabewußte Beeinflussung und ganzheitliches Lernen unter Bezug auf Lernen und die suggestopädische Lehrmethode erläutert. Fazit: Suggestopädie ist nicht das Super-Lehrverfahren", sondern bietet für das Fremdsprachenlernen eine förderliche Methode, für alle anderen Lehrbereiche förderliche Lehr-Lern-Prinzipien, die so umfassend in der Pädagogischen Psychologie nicht berücksichtigt werden.
Man merkt dem Buch die viele Arbeit an, welche der Autor in das umfassend, aber dennoch punktgenau und verständlich geschriebene Werk gesteckt hat. Illustrationen, Tabellen und eine übersichtliche Gliederung machen es zu einem vorbildlich aufbereiteten Fachbuch zum Thema. Es ist kein Buch, was man am Abend schnell mal wegliest, sondern ein Buch für alle diejenigen, mit tiefergehenden Interesse an der Suggestopädie und ihrem theoretischen Hintergrund zum optimierenden Lernen.