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Kathryn, die junge hübsche "New Yorker Besserwisserin", stellt ihr Aufnahmegerät an und interviewt Hope -- damit beginnt der Roman. Er hört damit auf, dass Kathryn am Ende des gleichen Tages nach Hause fährt. Das Interview deckt die Spanne eines halben Jahrhunderts ab. Dieser Wechsel zwischen erzählter, überbordender Geschichte und unmittelbarem, intensivem Erleben des Augenblicks (Hopes "Beziehung" zur jungen Kathryn) macht das Buch wunderbar lebendig.
Für den Laien (wie den Rezensenten) startet der Roman allerdings mit einer Durststrecke: Die seitenlangen Auslassungen über Kunst erfordern etwas Durchhaltevermögen. (Nur der Profi entdeckt in der Figur Zack den Maler Jackson Pollock und in Guy eine Melange diverser Pop-Art-Größen, darunter Andy Warhol.) Doch das Lesen wird belohnt. Bei aller Liebe Updikes für die Kunst der Zeit, in der er aufgewachsen ist, macht er bald deutlich: Dahinter steckt immer ein Mensch! Dieses Menschengeflecht (Hope, ihre drei Ehemänner, die Kinder und nicht zuletzt die Interviewerin Kathryn) ist das Herzstück, die Lebensader dieses virtuosen Romans, der Sehnsüchte, Liebe und Enttäuschungen wie ein gelungenes Bild unmittelbar fühlbar macht.
Sucht mein Angesicht hat alle Zutaten, die einen guten Updike ausmachen: Sinn und Sinnlichkeit, Mann und Frau, Lieben und Leben, Erfüllung und die immerwährende Suche danach. Eins kann ohne das andere nicht sein -- das macht unser Leben so spannend, und das macht Updikes Bücher so lesenwert.
Ein wichtiger Punkt zum Schluss: Sucht mein Angesicht ist hervorragend übersetzt. Wunderbar lesbar, mit einem guten Gespür sowohl für Sprache als auch für Updikes Intentionen verleiht Maria Carlsson dem Roman die angemessene Leichtigkeit und Gewichtigkeit, die er verdient. --Dirk Ruschepaul -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Ein sonderbares Buch, ein merkwürdiges Buch, sagt John Updike im Interview, das im Booklet des Hörbuchs abgedruckt ist. Der Roman ist Drip-Literatur. Hope verbindet einen Gedanken mit dem anderen, ein Bild mit dem nächsten. Drip-Literatur im Sinne von Jackson Pollocks Drip-Paintings ist der Text zwar nicht, denn Updike ist zu sehr Perfektionist, um dem Zufall zuviel Raum zu geben. Aber dass man auch mit Worten Malen kann, beweist der Text immer wieder mit impressionistischen Passagen. Kammerspiel, Frauenporträt, Kunstgeschichte -- als das gelingt Updike, der in jungen Jahren selbst Kunst studierte und viel zeichnete, bevor es ihn endgültig zur Literatur zog.
Eigentlich schade, dass nicht schon aus früheren Updike-Romanen Hörbücher wurden. Denn Sucht mein Angesicht ist sicher nicht sein bestes Buch. Dass das Hörvergnügen dennoch ein beträchtliches ist, liegt nicht zuletzt an Nina Petri, einer der besten deutschsprachigen Schauspielerinnen, die genau den richtigen Ton triff für den intimen, unspektakulären Text und diese zwei Frauen, die sich für einen Tag in einem alten Haus in Vermont begegnen.
Spieldauer: ca. 720 Minuten, 9 CDs, gekürzte Fassung --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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John Updike hat selbst Kunst studiert und kennt sich in der Materie bestens aus. Seine Aussagen über die amerikanischen Kunstströmungen der vierziger bis siebziger Jahre, die Galerieszene, den Kunstmarkt und die Arbeitsweise in den Ateliers sind daher unglaublich authentisch. Updike hat in diesem Roman das Panorama und die innere Wahrheit der amerikanischen Abstract Art, Fluxus, Pop Art und Minimal Art mitsamt dem Zeitgeist dieser Kunstströmungen wiedergegeben und zusätzlich einzelnen Persönlichkeiten einfühlsam nachgespürt. Ein großes Vergnügen bereitete es mir, die verschlüsselten Protagonisten anhand ihrer im Buch beschriebenen Werke wiederzuerkennen, wie z. B. den Künstler Zack als Jackson Pollock oder Guy, diese Mischung aus Roy Lichtenstein, Jasper Johns und Andy Warhol. Auch Willem de Kooning, Jim Dine, Allan d'Arcangelo, und James Rosenquist tauchen auf und einige berühmte Galeristen. Daher werde ich das Buch zwischen die Kunstbände und Kunstlexika stellen, obwohl es ein Roman ist.
Doch das ist noch nicht alles, was dieses reichhaltige Buch so bemerkenswert macht. Die Geschichte der Kunst ist eingebettet in ein extrem bescheidenes und daher besonders anspruchsvolles Gesamtkonzept: Die Rahmenhandlung spielt an nur einem einzigen Tag an einem einzigen Ort und es gibt darin nur zwei Frauen, die sich miteinander unterhalten: Die 80-jährige Künstlerin Hope Chafetz wird an einem Vorfrühlingstag des Jahres 2002 in ihrem Wohnsitz in Vermont von der jungen kunstbegeisterten Kathryn D'Angelo interviewt.
Es ist unglaublich, wie gekonnt Updike aus dieser sparsamen Ausgangsposition ein farbiges, vielfältiges und in die Tiefe gehendes amerikanisches Universum erschafft. Präzise wiedergegebene Alltagsgegenstände, eindringliche Landschaftsbeschreibungen, Wetterschilderungen, großartige Dialoge, Monologe und Erinnerungen bilden eine dichte Atmosphäre. Eine Reihe bunter Charaktere, mehrere Familiengeschichten, Liebschaften, Ehen und Beziehungen, der Wandel des Zeitgeistes, Generationenkonflikte. All das ist mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit verflochten zu einem glaubwürdigen Roman, bei dem niemals etwas Künstliches, Konstruiertes oder Gewolltes spürbar wird. Ja, es ist sogar ein spannendes Buch, denn ich wollte immer wissen, wie es ausgeht. Und tatsächlich schafft Updike auch noch einen überraschenden und poetischen Schluß für sein Buch, von dem man doch die ganze Zeit weiß, daß es eigentlich kein Ende haben kann...
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