Bevor ich meinen persönlichen Eindruck kundtue zunächst der Hinweis, daß es sich hier nicht um eine klassische Novelle sondern um die Verwertung des Drehbuches zum gleichnamigen Film von Helmut Dietl handelt.
Für mich eine Premiere jedoch trotz anfänglicher Skepsis durchaus lesbar da sich die Randnotizen zum 'Set' insofern in Grenzen halten, als das sie gerade ausreichen um sich ein Bild machen zu können.
Wie bereits bemerkt, wird der zentrale Handlungsstrang aus dem antiken Mythos von Orpheus und Eurydike in die moderne Welt transportiert. Die Rollen werden gewechselt, das Thema bleibt bestehen. Trotz gelegentlicher Seitenhiebe auf das heutige Zusammenleben von Mann und Frau, nicht ohne wohldosierte Ironie, ist die Geschichte von Mimi und Venus tragisch und anrührend zugleich. Gerade die Portierung des ewigen Themas 'Liebe' in die heutige Welt und Sprache ist die große Stärke des Buches und macht es für Leser interessant, die mit dem sicherlich schwerer zugänglichen antiken Schreibstil als auch mit der Oper wenig anfangen können.
Manch einer mag dies als zu seicht und dem Thema unangemessen bewerten, jedoch rundet das Nachwort von Patrick Süskind zum Wesen der Liebe anhand verschiedener teils historischer, teils literarischer Beispiele die Sache hervorragend ab. Mir hat das Buch viel Freude gemacht.