Schöne, simple Songs
Musik und der damit verbundene Erfolg können so unberechenbar sein. Da veröffentlicht ein Peter Fox sein bemerkenswertes Solodebüt und erst 20 Wochen später entert dieses die Spitze der Charts, um eine regelrechte Hypelawine loszutreten. Ein funktionierendes Bandformat geht nicht immer mit einer zufriedenstellenden Solokarriere einzelner Mitglieder einher. Boygroups können davon sprichwörtlich ein Lied singen und auch andere Beispiele veranschaulichen dieses Phänomen. Die "Absoluten Beginner" gehen Ende der 90er mit ihrer Platte "Bambule" steil durch die Decke. Während Jan Eißfeldt a.k.a. Jan Delay mit "Searching for the Jan Soul Rebels" einen respektablen Seitensprung abliefert, bleibt Denyos "Minidisco" hinter den Erwartungen. 2003 dann wieder die nächste, erfolgreiche Zusammenarbeit bei "Blast Action Heroes", mittlerweile nur noch unter dem Namen "Beginner". Doch spätestens mit "Mercedes-Dance" hängt Jan Delay seinen Bandkollegen völlig ab. Mit Big Band und den großen Bühnenshows im Gepäck, während Denyo sich mit "The Denyos" im unauffälligen Mittelmaß durchkämpft.
Zeit für Veränderung. Die Raps und den Künstlernamen an den Nagel gehängt, versucht sich Dennis Lisk nun als Singer/Songwriter. 3 Jahre hat er an seinem Debüt gearbeitet und sich mit Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) tatkräftige Unterstützung ins Studio geholt. Dicke Beats müssen gefühlvoll arrangierten Streichern und Klavierklängen (Irgendwann, Gefährlich) weichen, Soundsamples der Akustikgitarre (So und nicht anders) den Weg freimachen. Sprechgesang wird zu den Akten gelegt und Melodie und Einfühlvermögen haben in der Stimme von Lisk Einzug gehalten. Emotionaler Weltenbummler und Geschichtenerzähler. Dieses Format steht ihm durchaus gut zu Gesicht und könnte in Zeiten des Erfolges von Kollegen wie Clueso, der - neben Max Herre, Jan Delay und Sadyo - beim Song "Einfach mal sehn" auch gleich mal ein paar Vocals beisteuert, durchaus die gewünschte Entwicklung nach sich ziehen. "Suchen & Finden" wirkt zu keiner Zeit aufgesetzt und profitiert gerade bei Songs wie "Blick nach vorn, schau zurück" oder das im Stile von Jan Delay mit Bläsern unterlegte "Lenk mich ab" vom besonderen Flow des Wahl-Berliners. Neben der minimalistischen Ausrichtung seiner Musik halten Elemente aus Soul, Funk und Reggae Einzug, die das Album, passend zum VÖ-Termin, als Soundtrack für den Sommer empfehlen. Um die Erwartungen alter Fans nicht zu enttäuschen, war der Namenswechsel sicherlich nötig. Dennis Lisk gibt sich wesentlich verletzlicher, offenherziger und gefühlvoller als dies im Fall der Beginner bzw. Denyo möglich gewesen wäre. Dennoch nie zu traurig, sondern mit zahlreichen, musikalischen Sonnenstrahlen versehen. Auch wenn erste Ausläufer dieser Wandlung bei seinen Soloalben bereits zu vernehmen waren. "Ich hatte schon immer was in mir drin, was raus wollte....ich steh halt auf diese Liedermacherei, schöne, simple Songs, mit Gitarre und Gesang." Es bleibt zu wünschen, daß er nun endlich die Früchte seiner Ernte einfahren und aus dem Schatten von Jan Delay heraustreten kann.
Anspieltipps: "Navigation", "Blick nach vorn, schau zurück" und "Weiterdrehn"