Marcel Prousts Opus Magnum findet sich an ganz unerwarteten Stellen, etwa in einer Anspielung in dem überdrehten, sehr unterhaltsamen Actionfilm The Transporter. Dort lobt der französische Ermittler die Detailverliebtheit dieses bemerkenswerten Roman-Epos.
Teil 2 der Graphic Novel von Stephane Heuet beginnt leider ganz ohne eine Zusammenfassung von Band 1: Combray. Das ließe sich verbessern. Ebenfalls schön wären einige extra Seiten mit Anmerkungen zu Prousts Text.
Erzähler Marcel reist in diesem Teil der Geschichte mit seiner Großmutter in das Seebad Balbec. Dort lernt er den Luxus und das Leben der Reichen und Mächtigen kennen. Wer etwas darstellt wird vom kriecherischen Hoteldirektor hofiert und umschmeichelt. Wer reich ist, darf sogar auf den Preis für die Suite achten, da Geiz als ein bewundernswertes Laster gilt, so der Autor.
Sowohl vom Albumformat her (48 Seiten) als auch von den Zeichnungen im Stil der Ligne claire steht dieser Comic in der Tradition der franko-belgischen Comic-Klassiker. Da dieses Werk sehr textlastig ist hat es mich immer besonders erfreut, wenn die Zeichnungen dann doch mal etwas mehr Raum bekommen haben und in voller Größe strahlen können, wie etwa der Blick aus dem Speisesaal auf die Strandpromenade oder der nächtliche Blick der Arbeiter in den prachtvollen Speisesaal. Diese Szene deutet eindrucksvoll an, dass sich das arme Volk wohl nicht dauerhaft bieten lassen wird nur Zuschauer des Luxuslebens der Reichen zu sein. Eines Tages werden sie die alten Damen und Herren, die sie behandeln wie niedere Tiere, nicht mehr bloß beobachten, sondern verschlingen. Trotz scheinbar behäbiger Handlung sind es doch sehr viele Feinheiten, die es in diesem Werk zu entdecken gibt. Dank der Umsetzung als Graphic Novel ist Im Schatten junger Mädchenblüte weit weniger sperrig und deutlich zugänglicher als der überbordende Roman.
Amüsant übrigens die Ablehnung, die Prosts Werk damals begegnete. Nachzulesen wie er dafür kritisiert wurde ganze 30 Seiten dafür zu brauchen, nur um zu beschreiben, wie sich ein Mann im Bett umdreht um einzuschlafen, findet sich in diesem interessanten Buch:
Keine Ahnung, aber davon viel: Die peinlichsten Prognosen der Welt48 Seiten, Hardcover, Farbe, Übersetzung: Kai Wilksen, Knesebeck 2011