Wie ticken die USA wirklich? Von Politschwätzern, routinierten Experten und emsigen Wissenschaftlern werden wir es nie erfahren. Anhaltspunkte gibt dagegen Bettina Gaus' neues Buch. Gaus hat sich mit ganz normalen Amerikanern unterhalten -- Verlierern und Gewinnern, Witzbolden und Trauergestalten, Sympathen und Unsympathen. Herausgekommen ist der authentischste Blick auf die Vereinigten Staaten seit Alistair Cookes "Letters to America".
"Auf der Suche nach Amerika" ist ein Buch für Leute, die sich im Supermarkt lieber an der Frisch-Theke denn am Gefrierfach bedienen. Statt längst erschienene Reportagen notdürftig zu bearbeiten und dann irgendwie zusammenzustoppeln, hat Gaus frische Eindrücke gesammelt und in charakteristisch bündiger Prosa zusammengefasst. Ein Lesevergnügen ohne Längen, immer meinungsstark, nie moralisierend. Wie ihre bisherigen Bücher und Kolumnen, nur noch prägnanter, noch tiefer, noch treffender und noch lebendiger.
Die Autorin bereist ein Land, dem sie sicher eine ähnliche Mischung aus Neugier und Misstrauen entgegen bringt wie viele ihrer Fans. Nur hat sie keine Lust, sich auf diesem Gefühl auszuruhen. Ihr aufgeklärter Geist treibt sie dazu verstehen zu wollen. Wie schwer ihr das manchmal fällt, gehört zu den amüsantesten Passagen ihres Buchs.
Überhaupt kann man "Auf der Suche nach Amerika" eher als Anleitung zum Reisen denn als Kompendium über die Befindlichkeiten einer Supermacht verstehen. Das liegt an der respektvollen Distanz, mit der Gaus ihren Gesprächspartnern entgegentritt. Die Konversationskunst, die sie hier (vielleicht unabsichtlich) vorführt, war für mich die eigentliche Offenbarung dieses Buches. Mit Fremden ins Gespräch kommen, darüber können wir Deutschen als schlaumeierischstes Volk der Welt mit Sicherheit noch einiges lernen.