Dieses Buch ist ziemlich verrückt, aber natürlich auf eine gute Weise. In zehn Kapiteln hat Nadia Budde ihre Kindheitserinnerungen festgehalten. Dabei ist sie sehr assoziativ vorgegangen. Ein Gedanke führt zum nächsten und der wieder zu einer kleinen erfundenen Geschichte, die man noch einbauen könnte ... Es sind Erinnerungen über ihre ersten Jahre auf dem Land bei den Großeltern, wo Frauen schrumpelige Ellenbogen, dicke Fesseln, stark haarige Achseln hatten und auf dem Feld arbeiteten, wo man dem Tod auf ganz alltägliche Weise begegnete, wo der Wetterbericht sehr wichtig war und der Großvater Traktorist war. Dagegen stehen ihre späteren Kindheitsjahre bei der Mutter in der Stadt, im riesigen Mietshaus mit Hausvertrauensfrau und Hausbuch, in das die Gäste aus dem Westen eingetragen werden mussten, mit Müllschluckerschächten, Transparenten und den Möricke-Zwillingen, die auf dem Schulhof herrschten. Und dann wird noch beschrieben, was alle Kinder überall erleben: Nasenbluten, den Hausmeister ärgern, in die Schule gehen, eine Barbie haben usw. Ausgefallene Gerüche werden beschrieben, über Zeit wird nachgedacht, dem Kind werden Aufgaben gestellt, die die Kindheit allzu schnell vergehen lassen. Wie soll man Kind bleiben, wenn man in der Welt mitmischen soll? Da hat die Autorin eine schöne Lösung gefunden. All dies ist in wunderbaren und phantasievollen, bunten Zeichnungen festgehalten, die mal hier, mal da kommentiert werden und die eines ganz besonders zeigen wollen: zum Kindsein gehören viel Chaos und Unordnung dazu, aber auch vertraute Dinge, auf die man bauen kann, an die man sich sein Leben lang erinnern kann, weil man sie mit allen Sinnen aufgesogen hat.