Amazon und andere Netzwerke brechen Wissensmonopole und fördern das Fachsimpeln unter Berufskollegen. So bekam ich auch den Tipp zu diesem Buch von einem Leser Propeller’scher Rezensionen. Andere wussten offenbar schon früher davon, liegt doch bereits die zweite Auflage vor. Verlag und Herausgeber positionieren dieses Schmuckstück allerdings nicht auf dem Storytelling-Feld, sondern wollen es als vergnügliche Medienanalyse oder Fanartikel verstanden wissen. Das ist es selbstverständlich auch. Mir ist es sofort ans Herz gewachsen, weil die verschiedenen Aufsätze klar herausarbeiten, was eine gute Geschichte ausmacht. Das ist deshalb so verdienstvoll, weil es das verstaubte Bildungsbürgertum schaffte, jugendlichen Lesern die Freude an griechischen Sagen und biblischen Erzählungen zu rauben. Ihnen wird nun mit dieser Simpsons-Analyse der Zugang zum begnadeten Geschichtenerzähler auf Umwegen geöffnet. Mit klugen Texten, vielen Bildern, Verweisen, Anmerkungen und Interviews.
Die Herausgeber können in ihrem Vorwort zur zweiten Auflage auf eine Realsatire verweisen, die eigentlich zum Weinen ist. Denn übereifrige, raffgierige Markenrechtler verhindern mit ihren Argusaugen, dass sich Simpsons-Bilder noch schneller verbreiten, als sie es ohnehin tun. Die subversivste aller Comicserien gehört einem Konzern, der überhaupt keinen Spass versteht und Subversives gnadenlos verfolgt. Stoff für eine eigene Serie.
Mein Fazit: Für Anhänger der Simpsons, Medienwissenschaftler und berufliche Geschichtenerzähler eine Pflichtlektüre. Auch wenn man einiges kürzen könnte und die Humorschublade einiger Aufsatzschreiber manchmal klemmt, danke ich für den Tipp.