Aus der Amazon.de-Redaktion
War der 2007 veröffentlichte Vorgänger Neon Bible noch ein düsteres, fast apokalyptisches Album, entstanden unter dem Eindruck der Bush-Regierung, so dockt The Suburbs stilistisch eher beim Debüt The Funeral an. Sechs Jahre liegt das zurück, Arcade Fire waren da noch eine unter vielen Alternative-Gruppen, die auf ihrem neuen Werk einen bemerkenswerten Reifeprozess hinter sich haben. Die Kanadier, die schon in der Frühphase nie unfertig klangen, präsentieren mit The Suburbs ein großes Album aus einem Guss, das voller Details, Sprüngen, Stimmungsschwankungen und Varianten steckt. Alles, was Arcade Fire zu einer der prägnantesten Gruppen ihrer Zeit macht, findet sich in den insgesamt 16 Songs: Euphorie, Energie, Theatralik, Pomp, Dramatik, Katharsis, Ernsthaftigkeit, Ruhephasen. Der Titelsong wird von Country-Folk und Streichern bestimmt, „Ready To Start“ ist eine Midtempo-Nummer mit Springsteen-Zitaten, „Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)“ traut sich auf die Disco-Tanzfläche, „Empty Room“ arbeitet mit Shoegazing-Elementen, „Half Light I“ lädt zum Träumen und „Month Of May“ rockt zügellos. Dabei machen sie es einem nie richtig leicht, die Songs fliegen einem nicht zu, sie wollen immer und immer wieder entdeckt werden. Darin liegt auch die nachhaltige Substanz von The Suburbs, das in Ländern wie USA, Kanada, Deutschland, Irland oder England Chartpositionen zwischen 1 oder 5 belegte und namhafte Konkurrenz auf die Plätze verwies. --Sven Niechziol
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„The Cities We Live In Could Be Distant Stars“ erklärt Win Butler in „Suburban War“ und meint damit wohl, dass es immer auf die Perspektive ankommt. Es gibt Gründe, warum man in einer bestimmten Stadt lebt, wobei man auch an einem ganz anderen Ort hätte landen können, von dem aus die eigene Stadt dann wiederum wie ein weit entfernter Stern erscheinen würde. Auch bei der Einordnung von „The Suburbs“ kommt es auf die richtige Perspektive an. Ließe man die Vorgeschichte von Arcade Fire einfach außen vor, hätte man hier nämlich schlichtweg ein tolles, abwechslungsreiches Indie Rock-Album. Im Kontext der herausragenden Vorgängeralben und der hohen Erwartungshaltung jedoch, konnte diese Platte nur für eine gewisse Ernüchterung sorgen. Gerade der Opener und Titeltrack ist ein wenig fad geraten, wobei schon die drei anschließenden Songs „Ready To Start“, „Modern Man“ und „Rococo“ zu begeistern wissen. Vor allem bei Letztgenanntem ist es sofort wieder da, dieses „Arcade Fire-Gefühl“ - die Vielschichtigkeit des Sounds, diese Gänsehaut verursachenden Violinen-Motive und die orchestrale Ästhetik, zu welcher kaum eine andere Indie-Band neben Arcade Fire im Stande ist.
Das Faszinierende an diesem Album ist zudem, dass trotz der gewohnt pompösen Instrumentierung samt Synthies, Streichern, Piano und Akkordeon auch Songs zu entdecken sind, die so klingen, als wären sie in der Garage aufgenommen. Bestes Beispiel ist „Month Of May“, wobei das Stück dennoch nicht die Arcade Fire-übliche Detailverliebtheit vermissen lässt. Ein interessanter Gegensatz zu „Neon Bible“, für welches bekanntlich eine Kathedrale als Aufnahmeort herhalten musste. Jedoch gibt es auch einige Hänger auf „The Suburbs“, etwa „Wasted Hours“, ein Song, für den sich andere Bands zwar immernoch ein Bein ausreißen würden, der aber im Vergleich zu den Highlights des Albums ein wenig blass wirkt. In diesen Momenten wird dann auch deutlich, dass sich ein Album wie „Funeral“ nicht noch einmal aufnehmen lässt, welches vom ersten bis zum letzten Ton schlichtewg perfekt inszeniert war. Die positivste Erkenntnis ist aber, dass Arcade Fire selbst dies am besten zu wissen scheinen. „The Suburbs“ versucht nämlich gar nicht erst, bereits Dagewesenes zu kopieren sondern verbindet die altbekannten Stärken der Band mit neuen frischen Ansätzen. Dabei ist kein weiterer Meilenstein des Indie Rocks herausgekommen, aber immernoch ein Album, das – um der späteren Reflexion auf „The Suburbs“ vorweg zu greifen - als eines der herausragenden musikalischen Werke des Jahres 2010 in Erinnerung bleiben wird.
Kurzbeschreibung
Nach ein paar Überraschungskonzerten in Kanada in den letzten Wochen, kommen The Arcade Fire Ende August auch endlich zurück nach Deutschland und spielen am 31.08. ein bereits ausverkauftes Konzert im Berliner Tempodrom. Für November sind Termine in Duesseldorf un Muenchen bestaetigt.
The Arcade Fire sind: Win Butler, Régine Chassagne, Richard Reed Parry, William Butler, Tim Kingsbury, Sarah Neufeld und Jeremy Gara.
“Arcade Fire have tapped into a mode of songcraft that possesses a certain classic-rock-radio familiarity but is marked by a very modern sense of unease” -Pitchfork, June 2010
‘‘…the first truly 21st century band" - NME, Albums of the Decade, November 2009