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Wie es für Factory-Produkte typisch ist, findet der Hörer nur spärliche Informationen über den Ursprung der einzelnen Stücke; immerhin ist auf der CD selbst das jeweilige originale Release-Datum nach jedem Songtitel kurz abgedruckt. Warum sind die Songs aber getrennt chronologisch geordnet (d.h. einmal von Track 1 bis 10 und dann wieder von Track 11 bis 17) und warum nicht zusammen? Antwort auf dieses etwas verwirrende Faktum: 1988 war die CD-Edition von SUBSTANCE so konzipiert worden, dass sie sowohl die damalige Vinyl-Fassung (d.h. nur die ersten 10 Tracks) als auch einen sogenannten "Appendix", d.h. Anhang als "Mehrwert" (das wären die Track 11-17) bot.
Das soll aber nicht weiter stören. Weiß man erst einmal darüber Bescheid, gibt SUBSTANCE durch die chronologische Aneinanderreihung der Songs einen faszinierenden Einblick auf die außergewöhnliche und schnelle Entwicklung der Band von einer rohen, aggressiven Quasi-Punk-Band zur vielleicht wichtigsten und stilbildensten Formation der sogenannten Post-Punk-Ära. 1979/80 waren sie schon im Umgang mit elektronischen Instrumenten vertraut geworden: Synthezizer und Sequencer waren Bestandteil ihrer Musik geworden, wie "She's Lost Control", "Love Will Tear Us Apart" oder "Atmosphere" beweisen. Der ökonomische und dennoch ungemein originelle und unnachahmliche Sound der Band prägte die damals aufziehenden Achtziger maßgeblich, kaum jemand konnte ernsthaft an dieser Band vorbeikommen. Selbst für die heutigen Superstars von U2 waren Joy Division anfangs eine maßgebliche Inspirationsquelle. U2-Sänger Bono ist nach eigenem Bekunden Fan der Gruppe und ganz besonders von Sänger Ian Curtis, dem legendären Aushängeschild der Band, das mit seinem im Mai 1980 verübten Selbstmord der Gruppe ein jähes Ende setzte.
Mag die Musik dieser Gruppe in ihrer extremen Expressivität, ihrer brutalen und ungeschönten Dramatik auch keine leichte Kost, keine Unterhaltung für jeden Tag sein, so ist es dennoch schwer, von dieser Musik zu lassen, wenn man sie erst einmal gehört hat. Diese Musik kann süchtig machen, und die SUBSTANCE-Songs machen da keine Ausnahme, selbst die unbekannteren nicht: "Komakino" zum Beispiel mit seinem verblüffenden Schlagzeugspiel und den kreischenden Gitarren im Hintergrund. "These Days" mit seinen beinahe The-Police-artigen Gitarrenfiguren. Das endlose "Autosuggestion", in dem die Band wie einst Velvet Underground in "Heroin" zuerst in trügerisch zurückhaltender Monotonie agiert, um dann doch in ein Inferno auszubrechen. Der brutale Drumsound in "Digital" und "Glass". Das wahnsinnig intensive "Dead Souls". Und und und. KAUFEN!
- Alle Tracks der 4 Singles (jedoch leider ohne den Remix von "Love will tear us apart")
- "Komakino" und "Incubation" von der Komakino-Flexi-Disc
- "Atmosphere" und "Dead Souls" vom Sampler "Licht und Blindheit"
- "Autosuggestion" und "From Safety to Where...?" von Sampler "Earcom 2: Contradiction"
- "Digital" und "Glass" vom Sampler "A Factory Sample"
Das Album ist nicht nur in Sachen musikalischer Qualität eine Bereicherung für jede Joy Division-Sammlung, man erhält zudem all die raren Tracks, die man in der Vergangenheit mühsam auf dem Sammlermarkt suchen mußte, zusammengefasst auf einer CD und in CD-Qualität!
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