Wer sich, nach Durchforstung neuer Hiobsbotschaften im FAZ- Wirtschaftsteil, die Klatschspalten der "Gala" zur Entspannung verordnen muß, ist mit "Subs" bestens bedient.
Auch der Leser, der ,wie vermutlich der Autor Kunkel selbst, zornig fühlt, dass Begriffe wie Gesellschaft, Meinungsfreiheit, Menschenwürde zu "Trademarks" verkommen sind,um globalisierten Ramsch mit "selling points" zu versehen, empfindet karthatischen Lesegenuß, weil er seine Wut in herrlich sarkastische Wortkaskaden gegossen sieht, die immer wieder eines vorbereiten: den nächsten Punch in den Leib einer degenerierten Gesellschaft.
Eigentlich suchen Klaus Müller-Dodt, der Schönheitschirurg, und seine Frau Evelyn, die Staatsanwältin, nur eine Putzfrau für ihr Anwesen im Grunewald. Das Klaus per Annonce eine Sklavin sucht, findet gerade er noch witzig, wie aber der Sklave Bartos und seine schöne Begleiterin Lana ihre Legitimität als Sklaven herleiten ist ,auf der Folio von Hartz4- Debatten, geradezu erschreckend. Die Gesellschaftssatire nimmt Fahrt auf. Bauaktivitäten auf dem Dodt'schen Anwesen erfordern die Gründung eines Sklavenstaates. Ein philosophischer Diskurs über Freiheit beginnt, indem Bartos den Meinungsführer macht, der der Entrüstung seiner Herren über die unmenschlichen Bedingungen im eigenen Hause Kontra bietet. Ein Sklave, der dem Sklaventum, die Legitimation redet. Die Verkehrung der Verkehrung. Angesichts solcher Gesinnungsfestigkeit bleibt den Dodts nur noch die Flucht in Wellness und weiteren Mechaniken ausgeklügelter Verdrängung, die die hübsche Lana nur zu bereitwillig zur Verfügung stellt. Zu schön um wahr zu sein! Und so klopft bald auch die "böse" Außenwelt in Form von Steuereintreiber, Karriereproblemen und Evelyns Schwester an, deren menschelndes Hippiegetue Klaus immer schon lächerlich fand. Doch komisch, auch die sonst so moralinsaure Schwägerin, sowie Evelyns Vorgesetzter Harms finden eigentlich an diesem Sklavenstaat im Grunde nichts Anrüchiges. Bietet der Sozialstaat solch bedauernswerten Kreaturen nicht noch weniger Alternativen? Hat Bartos vielleicht Recht? Wo Hirnzellen die Situation nicht mehr zu lösen vermögen, bleiben noch die Hormone und Lanas "hard body" ist ein verdammter Brutofen derselben, dessen Feuer sich Klaus endgültig nicht mehr entziehen kann. Evelyn von Eifersucht und dem Charakterwandel ihres Mannes getrieben flieht. Beide Protagonisten katapultieren sich in eine vollkommen sinnentleerte Außenwelt und erleben Abenteuer, wie aus den Klatschspalten dieser Welt entsprungen.Im Turbogang der Seichtigkeit werden die beiden ganz schön durchgeschüttelt und treffen sich schließlich zerzaust vor dem eigenen Haus wieder. Doch auch hier hat sich einiges geändert...
Subs: RomanSubs: RomanWortwitz, das ironische Spiel mit der political-correctness und eine brilliante Dialogführung machen diesen Roman zu einem Lesevergnügen, der es mit der Wucht eines amerikanischen Gesellschaftromans aufnimmt. Der Leser reibt sich verwundert die Augen, dass dies mit Protagonisten in unserem Ländle möglich ist. Es ist möglich! Es hatte sich bislang nur noch kein Autor gefunden, der uns so cool den Spiegel vorhält wie Kunkel!